Forschungsprojekts ProGeo-UP zur Wiederverwendung von Geotextilien

22.10.2025

Im Rahmen des Forschungsprojekts ProGeo-UP wurde ein umfassender Praxistest zur Wiederverwendung von Geokunststoffen durchgeführt. Unter der Leitung der FH Münster und in Zusammenarbeit mit der Firma HUESKER sowie weiteren Projektpartnern wurden innovative Konzepte für den Rückbau und die Wiederverwendung von Geotextilien auf realen Baustellen getestet.

Die Versuchsfläche erstreckte sich über rund 3.200 m² in Rhede. Ziel des Projekts war es, die mechanische Belastbarkeit und Rückbaufähigkeit verschiedener Geokunststoffmaterialien zu analysieren und deren Potenziale für eine nachhaltige Wiederverwendung zu ermitteln.

Materialschonender Rückbau mit Tibatek®-Gerät

Der Rückbau wurde mit einem speziell entwickelten Anbaugerät der Firma Tibatek® durchgeführt, das sich im Praxistest bewährte. Dieses Gerät ermöglichte es, auch zugschwächere Materialien nahezu unbeschädigt auszubauen. Besonders bemerkenswert war die Möglichkeit, vollgesogene Bentonitbahnen mit einem Trockengewicht von etwa 1.000 kg problemlos aufzurollen.

Zugversuche bestätigen Wiederverwendbarkeit

Im Anschluss an den Rückbau wurden Zugversuche durchgeführt, um die Wiederverwendbarkeit der Geotextilien zu überprüfen. Die Ergebnisse dieser Tests zeigten, dass viele Produkte auch nach mehreren Ein- und Ausbauzyklen einen erheblichen Anteil ihrer ursprünglichen Zugfestigkeit beibehielten. Besonders hervorzuheben sind die SoilTain® Gewebe:

– SoilTain 105/105 DW: nach vier Ein- und Ausbauzyklen rund 70 % der ursprünglichen Zugfestigkeit erhalten
– SoilTain 200/200: über 60 % erhaltene Festigkeit nach vier Ein- und Ausbauzyklen
– Basetrac PP 80: nach dem ersten Ausbau noch 56 % der Referenzwerte

Diese Ergebnisse belegen die Robustheit und Wiederverwendbarkeit der verwendeten Geotextilien und liefern wertvolle Kennwerte für zukünftige Wiederverwendungskonzepte.

Ausblick auf zukünftige Entwicklungen

Die Erkenntnisse aus dem Großversuch bestätigen frühere Labortests und bieten eine solide Grundlage für die Weiterentwicklung von Rückbauverfahren und -geräten. Die gewonnenen Materialproben werden in weiteren Versuchen genutzt und analysiert. Die Wiederverwendung von Geokunststoffen birgt bedeutendes Potenzial für Kosteneinsparungen durch reduzierte Material- und Entsorgungskosten. Gleichzeitig trägt sie zur Ressourcenschonung und Minderung von Emissionen entlang der Lieferkette bei, wodurch die Nachhaltigkeit geokunststoffbasierter Bauweisen gestärkt wird.

Förderung und Zielsetzung des ProGeo-UP Projekts

Die hier dargestellten Ergebnisse sind Teil des BMBF-Verbundprojekts ProGeo-UP. Dieses Projekt wird im Rahmen der Fördermaßnahme „Ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft – Kunststoffrecyclingtechnologien (KuRT)“ gefördert. Das zentrale Ziel ist die Umsetzung der Produktverantwortung durch Kreislaufschließung bei Geokunststoffen. Das Förderkennzeichen des Projekts lautet 033R336.

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