Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat eine neue Version ihres Zertifizierungssystems für nachhaltige Baustellen veröffentlicht. Diese Überarbeitung basiert auf den Praxiserfahrungen von mehr als 250 Projekten, die das System bereits erfolgreich angewendet haben. Ziel der Zertifizierung ist es, Nachhaltigkeitspotenziale voll auszuschöpfen und eine Qualitätssicherung im Baustellenprozess sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau zu gewährleisten.
Integration praktischer Erfahrungen und regulatorischer Anforderungen
In die Überarbeitung flossen nicht nur Erfahrungen aus den zertifizierten Projekten ein, sondern auch Anmerkungen aus einer dreimonatigen Kommentierungsphase. Besonders hervorgehoben wird die Harmonisierung mit regulatorischen Anforderungen wie der EU-Taxonomie. Diese wurde umfassend in den Kriterienkatalog integriert, um die Zukunftsfähigkeit des Systems sicherzustellen.
Kriterien des Zertifizierungssystems
Die Grundstruktur des Zertifizierungssystems bleibt unverändert, fokussiert jedoch auf fünf Hauptkriterien: Baustellenorganisation, Ressourcenschutz, Gesundheit und Soziales, Kommunikation sowie Bauausführungsqualität. Beim Spezialtiefbau entfällt das Kriterium „Kommunikation“. Die Bewertung unterscheidet sich von anderen DGNB-Zertifizierungen, da es keine Abstufung in Platin, Gold oder Silber gibt. Ein Zertifikat wird erteilt, wenn mindestens 65 Prozent der Anforderungen erfüllt werden. Hierbei sind rund die Hälfte der Anforderungen Mindestanforderungen, die obligatorisch sind.
Anwendungsmöglichkeiten und Skalierbarkeit
Die Zertifizierung kann sowohl bei Einzelbaustellen als auch skaliert über mehrere Projekte hinweg angewendet werden. Bauunternehmen können das System nutzen, um unternehmensweite Standards zu etablieren, während Einzelprojekte eine transparente Nachweisführung für Nachhaltigkeit erhalten. Auch öffentliche Auftraggeber profitieren von den Kriterien, die für die Formulierung von Ausschreibungstexten verwendet werden können.
Neues Schulungsangebot: DGNB Koordinator Baustelle
Mit der Einführung der neuen Marktversion ist die Qualifikation zum „DGNB Koordinator Baustelle“ erforderlich. Dieser begleitet Projekte ähnlich wie DGNB Auditoren bei Gebäudeprojekten. Die Fortbildung umfasst ein digitales, zweitägiges Seminar sowie ein On-Demand-Angebot über die DGNB Akademie. Ein Lizenzvertrag ermächtigt zur Führung des Titels, wobei eine jährliche Weiterbildungspflicht besteht. Das Schulungsangebot richtet sich an eine breite Zielgruppe, darunter Bauleiter, Sicherheitskoordinatoren, Ingenieure und Stadtplaner.
Diese Erweiterungen und die neue Schulung sollen die Anwendung der DGNB-Zertifizierungen auf Baustellen erleichtern und zur weiteren Verbreitung nachhaltiger Praktiken im Bauwesen beitragen.



