Über 150 Geothermieprojekte mit bis zu zwei Gigawatt in Deutschland geplant

05.03.2025

Derzeit sind in Deutschland 42 tiefengeothermische Anlagen in Betrieb. Diese Anlagen nutzen durch Bohrungen von meist mehreren tausend Metern Tiefe die Erdwärme zur Bereitstellung von Wärme. Insgesamt 11 der Anlagen speisen zudem Strom in die Netze ein, zum Teil ergänzend zur Fernwärmelieferung. Darüber hinaus befinden sich weitere 16 Anlagen im Bau.

Entwicklung und Planung neuer Projekte

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Zahl der erteilten Aufsuchungserlaubnisse nahezu verdoppelt. Während es im Januar 2023 noch 82 Erlaubnisse gab, sind es mittlerweile 155 geplante Anlagen. Diese könnten in naher Zukunft zwischen einem und zwei Gigawatt Wärme und teilweise auch Strom bereitstellen.

Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbandes Geothermie e.V. (BVG), betont: „Das Potenzial für Geothermie in Deutschland ist immens. Allein mit der Nutzung von natürlichen Thermalwasservorkommen mithilfe der Tiefen Geothermie kann perspektivisch rund ein Viertel des Wärme- und Kältebedarfs in Deutschland gedeckt werden.“ Die Geothermie wird zunehmend als interessante Option für Stadtwerke und private Unternehmen gesehen, um langfristig sichere und bezahlbare Wärme bereitzustellen. Laut Gregor Dilger ist das Interesse in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Anforderungen und Forderungen der Branche, Ziele und Potenziale bis 2030

Die Geothermiebranche fordert von der nächsten Bundesregierung eine klare Ausbaustrategie für die Nutzung aller geothermischer Technologien. Dies schließt die Verbesserung der Rahmenbedingungen mit Ausbauzielen für die Tiefe, Mitteltiefe und Oberflächennahe Geothermie ein. Außerdem wird die schnelle Einführung einer finanziellen Absicherung von Geothermiebohrungen durch die Bundesregierung, die staatliche Förderbank KfW und einen privaten Versicherer gefordert. Ein solcher Maßnahmenkatalog könnte bei einem geringen Bedarf an Haushaltsmitteln Milliardeninvestitionen absichern.

Damit die Wärmewende schneller vorankommt, muss die nächste Regierung die Erleichterungen und Beschleunigungen zeitnah beschließen. Diese waren im Geothermiebeschleunigungsgesetz vorgesehen, welches durch den Bruch der Koalition ausgebremst wurde. Sollte die Tiefe Geothermie, wie von der scheidenden Bundesregierung geplant, bis zum Jahr 2030 von derzeit 1,8 TWh auf 10 TWh pro Jahr ausgebaut werden, könnten in Deutschland rund 24.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Zudem könnten laut BVG 34 Millionen Tonnen CO2 vermieden und Importkosten für fossile Brennstoffe von bis zu 9 Milliarden Euro eingespart werden.

Link zur Quelle

Auch interessant:

Startschuss für den Kabelzug: SuedOstLink vor Zeitplan

Startschuss für den Kabelzug: SuedOstLink vor Zeitplan

Der SuedOstLink, ein wichtiges Projekt der Energiewende, macht bedeutende Fortschritte. Der Abschnitt A1, der von der Firma PORR Verkehrswegebau Berlin im Auftrag von 50Hertz realisiert wird, umfasst eine Erdkabeltrasse von 29,6 Kilometern Länge. Bereits jetzt...

750 Mikropfähle für neues Zentralklinikum Diepholz

750 Mikropfähle für neues Zentralklinikum Diepholz

Im niedersächsischen Borwede wird bis Ende 2028 ein neues Zentralklinikum errichtet, das drei kleinere Krankenhäuser im Landkreis Diepholz ersetzen soll. Das Bauprojekt auf einer neun Hektar großen Fläche ist eine zentrale Komponente der umfassenden Strategie zur...

Der Liebherr R 938 im Nassbaggerbetrieb für Ghent Dredging

Der Liebherr R 938 im Nassbaggerbetrieb für Ghent Dredging

Liebherr, bekannt für seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Spezialbaggern, hat einen neuen Raupenbagger speziell für Ghent Dredging entwickelt: den R 938, der am Binnenhafen in Béthune, Nordfrankreich, zum Einsatz kommt. Das Unternehmen Ghent Dredging...

Neueste Lexikoneinträge:

Probenahme nach LAGA PN 98

Die LAGA PN 98 (LAGA-Mitteilung 32, Stand Mai 2019) ist eine seit 2001 geltende fachliche Richtlinie für die einheitliche Probenahme fester Abfälle und abgelagerter Materialien bei stofflicher Verwertung oder Beseitigung. Sie standardisiert das Vorgehen bei der...

Technisches Bauwerk im Sinne der Ersatzbaustoffverordnung

Die Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) ist seit dem 1. August 2023 in Kraft und regelt den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) in „technische Bauwerke“. Ob ein Vorhaben als technisches Bauwerk einzuordnen ist, entscheidet regelmäßig darüber, welche...

Bodenverbesserung mit Kalk im Erdbau

Kalkbehandlung ist im Erdbau eine gezielte chemisch-mineralogische Veränderung des anstehenden Bodens, um Einbaufähigkeit, Verdichtbarkeit und Tragverhalten zu verbessern oder dauerhaft zu stabilisieren. Praktisch entscheidend ist dabei, dass sich insbesondere...

Geotechnische Kategorien nach EC 7, DIN 1054, DIN 4022

Geotechnische Kategorien dienen der Festlegung von Mindestanforderungen an Umfang und Qualität von Baugrundaufschlüssen, Feldversuchen und geotechnischen Laboruntersuchungen in Abhängigkeit von Bauaufgabe und Baugrund. Es wird zwischen drei Kategorien unterschieden,...

Geotechnische Kategorie GK 3

Nach DIN EN 1997-1 (Eurocode EC 7) bzw. DIN 4020 und DIN 1054 wird zwischen drei verschiedenen Geotechnischen Kategorien unterschieden. In diesem Artikel wird die Geotechnische Kategorie GK 3 umfassend erläutert. Eine Übersicht und grundsätzliche Informationen finden...