In Münster steht die Erkundung eines potenziellen geothermischen Reservoirs im Fokus, das langfristig zur klimafreundlichen Wärmeversorgung beitragen könnte. Geplant ist eine Forschungsbohrung des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen (GD NRW), die ab 2027 in mehr als 1.000 Meter Tiefe nach heißen Tiefenwasserressourcen suchen wird. Dieses Projekt ist ein Element des „Masterplans Geothermie NRW“, der darauf abzielt, die Nutzung von Erdwärme voranzutreiben.
Voraussetzungen und Ziele des Projekts
Der Direktor des GD NRW, Dr. Ulrich Pahlke, beschreibt Münster als idealen Standort für die Erkundung, da bereits umfangreiche seismische Daten vorliegen. Zuvor durchgeführte 2D- und 3D-seismische Untersuchungen durch den GD NRW und die Stadtwerke Münster haben die Existenz von Kalksteinschichten in einer Tiefe von 1.000 bis 1.300 Metern bestätigt. Die geplante Bohrung soll klären, ob diese Formationen als geothermische Reservoirs genutzt werden können. Projektleiter Ingo Schäfer betont die Bedeutung der Durchlässigkeit und Ergiebigkeit der potenziellen Wasserwege im Kalkstein.
Funktionsweise und Vorteile der hydrothermalen Geothermie
Das Prinzip der hydrothermalen Geothermie beruht darauf, tiefes, heißes Wasser zu fördern, das in natürlichen Klüften und Hohlräumen der Kalksteinschichten gespeichert ist. Über Wärmetauscher kann diese Energie dann in Fernwärmenetzen oder anderen Anwendungen genutzt werden. Nach der Wärmeentnahme wird das Wasser in die gleiche Kalksteinschicht zurückgeführt. Diese Technologie bietet den Vorteil, dass sie unabhängig von Wettereinflüssen und ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe rund um die Uhr Energie bereitstellt und damit eine wesentliche Rolle in der Energie- und Wärmeversorgung übernehmen könnte.
Geologische Hintergründe und historische Perspektive
Die Zielschichten des Projekts datieren aus der Kreide-Zeit vor etwa 90 bis 100 Millionen Jahren, als das Münsterland von einem Meer bedeckt war. Über Äonen haben sich Kalkschlämme abgelagert, die schließlich zu mächtigen Kalksteinstrukturen, dem sogenannten Plänerkalk, verfestigten. Innerhalb dieser Kalksteinschichten finden sich Überreste von Meeresorganismen wie Muscheln und Ammoniten, die Hinweise auf die geologische Vergangenheit der Region geben.
Ein Teil des landesweiten Explorationsprogramms
Die geplante Bohrung in Münster ist Teil eines größeren Explorations- und Bohrprogramms namens „Geowärme – Wir erkunden NRW.“ Ziel dieses Programms ist, bis 2045 etwa 20 Prozent des Wärmebedarfs in Nordrhein-Westfalen durch Geothermie zu decken. In Bezug auf das Münsteraner Projekt wird dieser Standort als Referenz für das gesamte Münsterland dienen. Bereits in anderen Städten, wie Krefeld und Köln-Dellbrück, wurden Gewinnungen in Kohlen- und Massenkalk vorbereitet bzw. durchgeführt.
Die Ergebnisse des Projekts sollen öffentlich zugänglich gemacht werden, um Kommunen, Stadtwerke und Unternehmen bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, das das Explorationsprogramm beauftragt hat, sieht in der Geothermie einen möglichen zentralen Baustein für die zukünftige Wärmeversorgung.



