Bauwirtschaft in Baden-Württemberg: Stimmung ist gedämpft

29.04.2026

Die aktuelle Situation in der baden-württembergischen Bauwirtschaft zeigt ein uneinheitliches Bild, geprägt von einem signifikanten Zuwachs der Aufträge um real 18,7 Prozent zu Jahresbeginn. Trotz dieses Anstiegs zeigen sich die Bauunternehmen weiterhin skeptisch in Bezug auf die Zukunftserwartungen der Branche. Besonders im Wohnungsbau ist die Lage weiterhin angespannt, mit einem Rückgang der Auftragseingänge um 6,4 Prozent.

Herausforderungen im Wohnungsbau

Die Entwicklungen im Wohnungsbau sind trotz gestiegener Baugenehmigungen unbefriedigend. Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, beschreibt den Jahresstart als enttäuschend und sieht keinen Trendwechsel. Er regt an, dass entschlossene politische Maßnahmen notwendig seien, um den Wohnraummangel effektiv zu bekämpfen. Dazu gehören erhöhte Landesmittel für die soziale Wohnraumförderung, die Senkung der Grunderwerbsteuer und eine Reduzierung der Bürokratie. Möller betont die Dringlichkeit, dass die künftige Landesregierung den Fokus verstärkt auf den Wohnungsbau richtet.

Verhaltenes Wachstum im Straßenbau

Im Straßenbau wird lediglich ein geringes Wachstum von 5 Prozent verzeichnet. Thomas Möller kritisiert das Ausbleiben der erwarteten Impulse durch das Sondervermögen Infrastruktur. Er fordert von der Bundesregierung, die bereitgestellten Mittel tatsächlich für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur einzusetzen, anstatt Haushaltslücken zu schließen. Auch Länder und Kommunen sollten die ihnen zugewiesenen Gelder nutzen, um den erheblichen Investitionsstau im Verkehrswegenetz abzubauen.

Auswirkungen des Iran-Kriegs

Der Iran-Krieg hat die konjunkturellen Aussichten für die Bauwirtschaft weiter eingetrübt. Steigende Ölpreise führen zu erhöhten Kosten für Diesel und Bitumen, auch im Bereich Asphalt sind Preissteigerungen zu erwarten. Zudem könnten energieintensive Baustoffe wie Zement und Beton teurer werden. Thomas Möller sieht in diesen Entwicklungen eine ernsthafte Gefahr für die Baukonjunktur und ruft zu entschlossenem politischen Handeln auf, um Investitionen sowohl im Wohnungsbau als auch in der Infrastruktur zu fördern.

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