Berufsausbildungsumlage: Ein bewährtes Modell gegen Fachkräftemangel

01.05.2026

Seit nunmehr 50 Jahren ist die Berufsausbildungsumlage ein zentrales Element im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. Dieses Modell, entwickelt von den Tarifvertragsparteien der Branche und umgesetzt durch SOKA-BAU, zeigt langfristige Erfolge. Ursprünglich 1976 durch den „Tarifvertrag über das Verfahren für die Berufsbildung im Baugewerbe“ ins Leben gerufen, hat es sich bis heute als effektives Instrument zur Sicherstellung des Nachwuchses in der Bauwirtschaft etabliert.

Funktionsweise der Ausbildungsumlage

Alle Bauunternehmen leisten monatlich Beiträge an SOKA-BAU, basierend auf der Bruttolohnsumme ihrer gewerblichen Arbeitnehmer sowie einem festen Beitrag für Angestellte. Die Mittel werden zur Erstattung von Ausbildungskosten an die Betriebe verwendet, die aktiv ausbilden. Dieser Mechanismus unterstützt auch kleine Betriebe, die oft höhere Ausbildungskosten haben, als sie durch Beiträge leisten.

Ein weiterer Bestandteil des Modells ist die überbetriebliche Ausbildung in rund 180 Ausbildungszentren. Diese Zentren bieten ein gleichbleibend hohes Ausbildungsniveau und ergänzen die Ausbildung in Betrieben, die aufgrund ihrer Spezialisierung nicht alle Inhalte abdecken können. Die Qualität der Ausbildung wird durch regelmäßige Überprüfungen im Auftrag von SOKA-BAU gesichert.

Wirtschaftliche Effekte und Branchenentwicklung

Im vergangenen Jahr beliefen sich die Leistungen an Ausbildungsvergütungen und überbetriebliche Ausbildungskosten auf insgesamt 486 Millionen Euro. Die Entwicklung der Auszubildendenzahlen in der Bauwirtschaft verläuft positiv; im aktuellen Ausbildungsjahr stiegen die Zahlen um etwa 13 Prozent, entgegen dem branchenübergreifenden Trend eines Rückgangs von rund 3 Prozent.

Neben der klassischen Ausbildung richtet SOKA-BAU zunehmend den Fokus auf Weiterbildung. Es wird daran gearbeitet, eine digitale Plattform zur Vermittlung von Weiterbildungsangeboten zu entwickeln und Betriebe bei der Beantragung von Fördermitteln zu unterstützen.

Der Erfolg des Modells hat auch außerhalb der Bauwirtschaft Beachtung gefunden. Einige Branchen, wie die Pflege, haben ähnliche Modelle adaptiert. Ebenso haben Länder wie Großbritannien vergleichbare Systeme eingeführt.

Die Rolle von SOKA-BAU

SOKA-BAU, bestehend aus der ULAK und der ZVK, verwaltet das Umlagemodell. Neben der Sicherung von Urlaubsansprüchen bietet die ZVK eine zusätzliche Altersversorgung für alle Beschäftigten in der Baubranche. Diese Rolle macht sie zur größten Pensionskasse in Deutschland nach versicherten Personen und zu einem der größten nach Anlagevermögen.

Mit diesen Maßnahmen und Einrichtungen bleibt die Berufsausbildungsumlage ein zentraler Pfeiler für die zukünftige Sicherung von Fachkräften in der Bauwirtschaft.

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