BVMB fordert Anpassung der Preisanpassungsmechanismen im Bauwesen

29.04.2026

Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V. (BVMB) hat sich angesichts der anhaltenden Herausforderungen durch Marktverwerfungen infolge des Iran-Krieges erneut an die Öffentlichkeit gewandt. Konkret fordert der Verband eine Weiterentwicklung der Preisanpassungsmechanismen im Bauwesen. Die bisherigen Systeme seien nicht in der Lage, die Auswirkungen von extremen Preisschwankungen bei zentralen Baustoffen wie Bitumen adäquat zu adressieren. Diese Problematik betrifft vor allem den mittelständisch geprägten Straßenbau, so die Aussage von RA Jürgen Faupel, stellvertretender Präsident der BVMB, auf der Frühjahrstagung des Arbeitskreises Straße/Brücke bei Frankfurt.

Hohe Belastungen für die Bauwirtschaft

Während der Frühjahrstagung, an der rund 80 Vertreter aus der Bauwirtschaft und der öffentlichen Hand teilnahmen, darunter auch Repräsentanten der Autobahn GmbH und der DEGES, wurden die Herausforderungen durch gestiegene Baustoffpreise intensiv erörtert. Die Bauunternehmen stehen unter hohem Druck, da sie an feste Preise gebunden sind, während grundlegende Materialien wie Bitumen sich gravierend verteuern. Die Preisanstiege wirken sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf Energie-, Transport- und Beschaffungskosten aus, was die gesamte Bauwirtschaft belastet. Daniel Jonas, Geschäftsführer der BVMB, betonte, dass Bauunternehmen aufgrund vertraglicher Festpreismodelle bisher keine Möglichkeit hätten, auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel zu reagieren.

Notwendigkeit einer Weiterentwicklung der Preismechanismen

Die Teilnehmer der Tagung waren sich einig, dass die aktuellen Preisanpassungsmechanismen unzureichend sind. Die vergangenen Jahre, geprägt von Krisen wie der Covid-19-Pandemie und dem Ukraine-Konflikt, hätten laut Jonas gezeigt, dass starke Preisschwankungen häufiger auftreten können und daher systemische Anpassungen nötig seien. Die wirtschaftlichen Belastungen führen zu Zurückhaltung bei der Angebotsabgabe, Projektverzögerungen und möglichen Versorgungsengpässen. Der Verband stellt fest, dass Vertragsanpassungen in der Praxis kaum durchführbar sind und fordert eine Reform der Preisgleitklauseln, die derzeit nur in Ausnahmefällen angewandt werden.

Appell an die Bundesbauministerin

In einem offenen Brief wandte sich die BVMB direkt an die Bundesbauministerin Verena Hubertz. Präsident Martin Steinbrecher fordert darin die Einführung eines vereinfachten und dauerhaft anwendbaren Preisanpassungsmechanismus, der neben Baustoffpreisen auch Lohn- und Gerätekosten berücksichtigt. Der Verband sieht hierin einen festen Bestandteil der Vertragsgestaltung, wie es in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt wird. Steinbrecher appellierte an die Ministerin, die interministerielle Arbeitsgruppe zur Stoffpreisgleitklausel zeitnah wieder einzusetzen. Dies ist notwendig, um praxistaugliche Lösungen für mehr Planungssicherheit am Bau zu entwickeln. Eine moderne Preisgleitung könne Planungssicherheit schaffen, den Wettbewerb stärken und für eine faire Risikoverteilung sorgen, wovon sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer profitieren würden.

Link zur Quelle

Auch interessant:

Gedenken an Opfer im Bauwesen: Workers‘ Memorial Day 2026

Gedenken an Opfer im Bauwesen: Workers‘ Memorial Day 2026

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Bauwirtschaft sowie die baunahen Dienstleistungen 74 Todesfälle infolge von Arbeitsunfällen. Das entspricht nahezu einem tödlichen Vorfall an jedem vierten Werktag. Zusätzlich sterben jährlich etwa 400 Menschen aufgrund von...

Meilenstein im Spezialtiefbau am Südschnellweg Hannover erreicht

Meilenstein im Spezialtiefbau am Südschnellweg Hannover erreicht

Die Arbeiten von PORR am Großprojekt Südschnellweg im Süden Hannovers haben einen bedeutenden Meilenstein erreicht. Die Spezialtiefbauleistungen im ersten Bauabschnitt, bekannt als Primärdocks, stehen kurz vor dem Abschluss. Dieser Fortschritt ebnet den Weg für die...

STRABAG SE verlängert Vorstandsmandat bis 2030

STRABAG SE verlängert Vorstandsmandat bis 2030

Der Aufsichtsrat der STRABAG SE, einem bedeutenden europäischen Baukonzern, hat das Mandat des aktuellen Vorstandsteams um eine weitere Funktionsperiode verlängert. Die Entscheidung betrifft die Zeitspanne vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2030. Mit der erneuten...

Neueste Lexikoneinträge:

Probenahme nach LAGA PN 98

Die LAGA PN 98 (LAGA-Mitteilung 32, Stand Mai 2019) ist eine seit 2001 geltende fachliche Richtlinie für die einheitliche Probenahme fester Abfälle und abgelagerter Materialien bei stofflicher Verwertung oder Beseitigung. Sie standardisiert das Vorgehen bei der...

Technisches Bauwerk im Sinne der Ersatzbaustoffverordnung

Die Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) ist seit dem 1. August 2023 in Kraft und regelt den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) in „technische Bauwerke“. Ob ein Vorhaben als technisches Bauwerk einzuordnen ist, entscheidet regelmäßig darüber, welche...

Bodenverbesserung mit Kalk im Erdbau

Kalkbehandlung ist im Erdbau eine gezielte chemisch-mineralogische Veränderung des anstehenden Bodens, um Einbaufähigkeit, Verdichtbarkeit und Tragverhalten zu verbessern oder dauerhaft zu stabilisieren. Praktisch entscheidend ist dabei, dass sich insbesondere...

Geotechnische Kategorien nach EC 7, DIN 1054, DIN 4022

Geotechnische Kategorien dienen der Festlegung von Mindestanforderungen an Umfang und Qualität von Baugrundaufschlüssen, Feldversuchen und geotechnischen Laboruntersuchungen in Abhängigkeit von Bauaufgabe und Baugrund. Es wird zwischen drei Kategorien unterschieden,...

Geotechnische Kategorie GK 3

Nach DIN EN 1997-1 (Eurocode EC 7) bzw. DIN 4020 und DIN 1054 wird zwischen drei verschiedenen Geotechnischen Kategorien unterschieden. In diesem Artikel wird die Geotechnische Kategorie GK 3 umfassend erläutert. Eine Übersicht und grundsätzliche Informationen finden...