BVMB kritisiert fehlende Zielgenauigkeit der Entlastungsprämie

16.04.2026

Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V. (BVMB) äußert scharfe Kritik an der von der Bundesregierung angekündigten Entlastungsprämie. Diese verfehle, so die BVMB, das Ziel der beabsichtigten Entlastung deutlich und drohe, die Arbeitskosten weiter zu verteuern. Laut der Frühjahrskonjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind die konjunkturellen Aussichten für die Bauwirtschaft bescheiden. Mehr Unternehmen rechnen mit Produktionsrückgängen als mit Zuwächsen, während Investitionen an vielen Orten zurückgefahren werden. Neben hohen Baukosten und volatilen Energie- und Rohstoffpreisen ist insbesondere das Ausbleiben staatlicher Investitionsimpulse ein erheblicher Bremsfaktor für die Erholung der Branche.

Erwartungshaltung gegenüber den Unternehmen

Nach Ansicht von BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka führt die geplante Prämie zu einer Erwartungshaltung gegenüber den Unternehmen, welche letztlich die finanzielle Last trägt, während die Entlastung primär bei den Beschäftigten ankommt. „Die Bundesregierung kündigt Entlastung an, produziert aber neue Belastungen“, konstatiert Gilka. Er kritisiert, dass der Mittelstand mit seinen strukturellen Problemen weitgehend allein gelassen werde, während die Politik erneut auf wirtschaftlich zweifelhafte Instrumente zurückgreife.

Konsequenzen für die Arbeitskosten

Deutschland liegt im EU-Vergleich der Arbeitskosten auf Rang sieben, mit durchschnittlichen Kosten von 43,40 Euro pro Arbeitsstunde, was etwa 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegt. „So zu tun, als gäbe es hier noch Spielräume, geht an der Realität des Mittelstands vorbei“, betont Gilka. Bereits die Inflationsausgleichsprämie habe gezeigt, dass pauschale Maßnahmen politisch zwar attraktiv, wirtschaftlich jedoch ineffizient sind. Die Neuauflage solcher Konzepte ohne Lehren aus der Vergangenheit erweist sich laut BVMB als problematisch.

Staat soll Verantwortung übernehmen

Die BVMB fordert eine grundlegende Anpassung der Entlastungsprämie. Michael Gilka schlägt vor, die Prämie direkt am Bruttolohn anzusetzen und sie steuer- sowie abgabenfrei zu stellen. So könnten Unternehmen die Prämie innerhalb der ohnehin geschuldeten Vergütung nutzen, ohne sie als zusätzlichen Betrag auszahlen zu müssen. Auch die Erhöhung der Entfernungspauschale könnte nach Ansicht des BVMB-Hauptgeschäftsführers hilfreich sein, um eine tatsächliche Entlastung für Beschäftigte und Unternehmen zu erreichen.

Notwendigkeit von Stabilität und Planungssicherheit

Der BVMB hebt die dringende Notwendigkeit von Maßnahmen hervor, die den Baumittelstand tatsächlich entlasten. „Der Anspruch politischer Entlastung und die tatsächliche Lage der Unternehmen driften immer weiter auseinander“, fasst Gilka die Lage zusammen. Er fordert, dass die Erwartungshaltung an die Politik nicht einseitig auf die Wirtschaft abgewälzt werden dürfe, insbesondere in einer Phase, in der der Mittelstand dringend Stabilität, Planungssicherheit und echte Reformen benötige.

Link zur Quelle

Auch interessant:

Kaimauer-Sanierung in der Hamburger Speicherstadt mit Spezialbeton

Kaimauer-Sanierung in der Hamburger Speicherstadt mit Spezialbeton

In der Hamburger Speicherstadt, einem UNESCO-Welterbe seit 2015, wird derzeit die historische Kaimauer am Kehrwieder saniert. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, da die über 100 Jahre alten Bauwerke deutliche Abnutzungserscheinungen und Schäden aufweisen. Ziel ist...

Bauer-Hausausstellung 2026: Treffpunkt der Spezialtiefbau-Branche

Bauer-Hausausstellung 2026: Treffpunkt der Spezialtiefbau-Branche

Vom 16. bis 18. April 2026 richtet die BAUER Maschinen GmbH ihre traditionelle Hausausstellung aus. Erwartet werden etwa 1.200 Fachbesucher aus verschiedenen Ländern. Das Motto der Veranstaltung lautet „Born in Drilling, Growing for the Future“. Veranstaltungsort ist...

Neueste Lexikoneinträge:

Probenahme nach LAGA PN 98

Die LAGA PN 98 (LAGA-Mitteilung 32, Stand Mai 2019) ist eine seit 2001 geltende fachliche Richtlinie für die einheitliche Probenahme fester Abfälle und abgelagerter Materialien bei stofflicher Verwertung oder Beseitigung. Sie standardisiert das Vorgehen bei der...

Technisches Bauwerk im Sinne der Ersatzbaustoffverordnung

Die Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) ist seit dem 1. August 2023 in Kraft und regelt den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) in „technische Bauwerke“. Ob ein Vorhaben als technisches Bauwerk einzuordnen ist, entscheidet regelmäßig darüber, welche...

Bodenverbesserung mit Kalk im Erdbau

Kalkbehandlung ist im Erdbau eine gezielte chemisch-mineralogische Veränderung des anstehenden Bodens, um Einbaufähigkeit, Verdichtbarkeit und Tragverhalten zu verbessern oder dauerhaft zu stabilisieren. Praktisch entscheidend ist dabei, dass sich insbesondere...

Geotechnische Kategorien nach EC 7, DIN 1054, DIN 4022

Geotechnische Kategorien dienen der Festlegung von Mindestanforderungen an Umfang und Qualität von Baugrundaufschlüssen, Feldversuchen und geotechnischen Laboruntersuchungen in Abhängigkeit von Bauaufgabe und Baugrund. Es wird zwischen drei Kategorien unterschieden,...

Geotechnische Kategorie GK 3

Nach DIN EN 1997-1 (Eurocode EC 7) bzw. DIN 4020 und DIN 1054 wird zwischen drei verschiedenen Geotechnischen Kategorien unterschieden. In diesem Artikel wird die Geotechnische Kategorie GK 3 umfassend erläutert. Eine Übersicht und grundsätzliche Informationen finden...