Grabenverbau im Absenkverfahren

12.11.2022

Der Grabenverbau im Absenkverfahren kommt zum Einsatz, wenn der Boden keine ausreichende Kurzzeitstandfestigkeit aufweist, so dass das Einstellverfahren nicht in Frage kommt. Außerdem wird der Graben im Absenkverfahren erstellt, wenn der Boden zwar grundsätzlich relativ standsicher ist, aufgrund der Grabentiefe jedoch nicht hält oder äußere Lasten (z.B. Verkehr oder Bauwerke) auf den Graben einwirken.

Die maßgebliche Norm für den Grabenverbau im Absenkverfahren ist die DIN 4124, „Baugruben und Gräben – Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten“.

Voraushub

Beim Absenkverfahren wird der Boden zunächst so weit ausgehoben, dass er noch sicher standfest ist. Die erreichbare Tiefe hängt hier immer vom konkreten Einzelfall ab. Anschließend wird ein geeignetes Verbaugerät eingestellt und der Boden im Schutze des Grabenverbaus weiter ausgehoben. Der vorauseilende Bodenaushub darf nicht weiter als 0,50 m unter die Unterkante des Gerätes erfolgen. Je nach Standfestigkeit des Bodens ist die Aushubtiefe weiter zu reduzieren.

Das Absenkverfahren

Ist der vorauseilende Aushub abgeschlossen, wird das Verbaugerät durch wechselseitiges Eindrücken mittels Bagger senkrecht eingedrückt. Hierbei werden von den Herstellern Vorgaben gemacht, welche Baggerklasse für welches Verbaugerät zu verwenden ist.

Beim Absenken kommen verschiedene Techniken zum Einsatz:

So gibt es Verbauboxen mit gelenkig gelagerten Streben, so dass diese beim Absenken eine wechselnde Neigung aufweisen. Sofern die Box über keinen starren Stützrahmen verfügt, kann der Abstand der gegenüberliegenden Platten sich nach unten vergrößern. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass des dadurch zu Auflockerungen des Bodens kommen kann, da der Verbau nicht durchgängig kraftschlüssig am Boden anliegt. Bei verformungsempfindlicher Umgebung (Gebäude, Leitungen, Verkehrsflächen im Einflussbereich) sind die Auswirkungen zu prüfen und bedarfsweise ein anderer Grabenverbau zu wählen.

Wenn die erwarteten Verformungen nicht vertretbar sind, sind Geräte zu wählen, die entsprechend gestützte Platten aufweisen. An dieser Stelle sei der Gleitschienenverbau mit Stützrahmen genannt. Dieser Verbau ist so versteift, dass die Platten parallel geführt und Auflockerungen des Bodens minimiert werden. Beim Absenken von gleitschienengestützten Verbaugeräten im Absenkverfahren ist darauf zu achten, dass beim Absenken die Streben stets horizontal liegen.

Ein Verbaugerät des Absenkverfahrens, das sich besonders für innerstädtische Bauvorhaben mit querenden Leitungen eignet, ist der Dielenkammerverbau.

Je nach Verbaugerät ist es möglich, durch Aufsatz weiterer Elemente die realisierbare Grabentiefe zu erhöhen. Wie tief der Grabenverbau geführt werden darf, ohne dass es zu einer Überlastung der Bauteile aufgrund des zunehmenden Erddrucks kommt, ist den Herstellervorgaben zu entnehmen.

Ist der Absenkvorgang abgeschlossen, ist es je nach Verbaugerät erforderlich, die Streben auszuspindeln um die Platten an den Boden zu pressen.

Wahl geeigneter Verbaugeräte

Nicht jedes Verbaugerät eignet sich für das Absenkverfahren. So gibt es einfache Verbauboxen mit starren Streben, die ausschließlich im Einstellverfahren verwendet werden. Außerdem ist es nach DIN 4124 unzulässig mittiggestützte Geräte im Absenkverfahren einzusetzen.

Alternative zum Grabenverbau im Absenkverfahren

Wenn der Boden vorübergehend ausreichend standfest sowie der Graben nicht zu tief ist und sich keine Bauwerke oder Leitungen im Einflussbereich befinden, dann kommt statt dem Absenkverfahren auch der Grabenverbau im Einstellverfahren in Frage.

Auch interessant:

Liebherr-Geräte erhöhen Wurtenspeicherstausee in Kärnten

Liebherr-Geräte erhöhen Wurtenspeicherstausee in Kärnten

Der Wurtenspeicherstausee ist ein zentrales Element der Kraftwerksgruppe Fragant in Kärnten, Österreich. Zur Kapazitätserweiterung des Stausees wird der Damm um 7 Meter erhöht. Der Bau erfolgt unter Verwendung des Bohrgeräts LB 45 und des Seilbaggers HS 8070 HD von...

Einführung des Komatsu PC9000-12: Ein Wegbereiter im Tagebau

Einführung des Komatsu PC9000-12: Ein Wegbereiter im Tagebau

Die Komatsu Germany Mining Division (KGM) verkündete am 2. April 2026 die weltweite Markteinführung ihres neuesten Hydraulikbaggers, des PC9000-12. Bereits erfolgreich in Kanada eingeführt, ist dieses Modell nun global über Komatsus Händlernetz erhältlich. Der...

Einführung des Bohrgerätes Epiroc PowerROC T25 MKII

Einführung des Bohrgerätes Epiroc PowerROC T25 MKII

Epiroc hat die neueste Generation des Tiefbohrgeräts PowerROC T25 auf den Markt gebracht. Diese überarbeitete MKII-Version ist speziell für die Anforderungen von Steinbrüchen und Kiesgruben konzipiert und bietet wesentliche Verbesserungen gegenüber ihren Vorgängern....

Kleemann mit Asphaltrecycling auf der IFAT Munich 2026

Kleemann mit Asphaltrecycling auf der IFAT Munich 2026

Die IFAT Munich 2026 wird erneut zur zentralen Plattform für Umwelttechnologien, wobei die Schwerpunkte auf Wasser, Recycling und Zirkularität liegen. Kleemann, als Spezialist für mobile Brech- und Siebanlagen, nimmt erstmals an diesem global führenden Event teil und...

Neueste Lexikoneinträge:

Probenahme nach LAGA PN 98

Die LAGA PN 98 (LAGA-Mitteilung 32, Stand Mai 2019) ist eine seit 2001 geltende fachliche Richtlinie für die einheitliche Probenahme fester Abfälle und abgelagerter Materialien bei stofflicher Verwertung oder Beseitigung. Sie standardisiert das Vorgehen bei der...

Technisches Bauwerk im Sinne der Ersatzbaustoffverordnung

Die Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) ist seit dem 1. August 2023 in Kraft und regelt den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) in „technische Bauwerke“. Ob ein Vorhaben als technisches Bauwerk einzuordnen ist, entscheidet regelmäßig darüber, welche...

Bodenverbesserung mit Kalk im Erdbau

Kalkbehandlung ist im Erdbau eine gezielte chemisch-mineralogische Veränderung des anstehenden Bodens, um Einbaufähigkeit, Verdichtbarkeit und Tragverhalten zu verbessern oder dauerhaft zu stabilisieren. Praktisch entscheidend ist dabei, dass sich insbesondere...

Geotechnische Kategorien nach EC 7, DIN 1054, DIN 4022

Geotechnische Kategorien dienen der Festlegung von Mindestanforderungen an Umfang und Qualität von Baugrundaufschlüssen, Feldversuchen und geotechnischen Laboruntersuchungen in Abhängigkeit von Bauaufgabe und Baugrund. Es wird zwischen drei Kategorien unterschieden,...

Geotechnische Kategorie GK 3

Nach DIN EN 1997-1 (Eurocode EC 7) bzw. DIN 4020 und DIN 1054 wird zwischen drei verschiedenen Geotechnischen Kategorien unterschieden. In diesem Artikel wird die Geotechnische Kategorie GK 3 umfassend erläutert. Eine Übersicht und grundsätzliche Informationen finden...