Kaimauer-Sanierung in der Hamburger Speicherstadt mit Spezialbeton

13.04.2026

Kaimauer-Sanierung Hamburg. Die Speicherstadt in Hamburg gehört seit 2015 zum UNESCO-Welterbe. An vielen Stellen zeigt die Kaimauer am Kehrwieder altersbedingte Abnutzungserscheinungen und Schäden, die langfristig instandgesetzt werden müssen. Bild (c) Sebastian Engels
Kaimauer-Sanierung Hamburg. Die Speicherstadt in Hamburg gehört seit 2015 zum UNESCO-Welterbe. An vielen Stellen zeigt die Kaimauer am Kehrwieder altersbedingte Abnutzungserscheinungen und Schäden, die langfristig instandgesetzt werden müssen. Bild (c) Sebastian Engels

In der Hamburger Speicherstadt, einem UNESCO-Welterbe seit 2015, wird derzeit die historische Kaimauer am Kehrwieder saniert. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, da die über 100 Jahre alten Bauwerke deutliche Abnutzungserscheinungen und Schäden aufweisen. Ziel ist es, eine weitere Nutzungsdauer von rund 80 Jahren zu gewährleisten. Die Sanierungsarbeiten erforderten eine speziell entwickelte Betonrezeptur, die den hohen Anforderungen an Wasserbauwerke gerecht wird.

Das Sanierungsprojekt der Kaimauer am Kehrwieder ist ein Auftrag des Landesbetriebs Immobilienmanagement und Grundvermögen der Freien und Hansestadt Hamburg. Ausgeführt von Fr. Holst (GmbH & Co. KG) und mit Spezialbeton von Heidelberg Materials ausgestattet, wird die Fertigstellung im Jahr 2026 erwartet. Die Betonrezeptur wurde von der Betotech Baustofflabor GmbH entwickelt und überwacht. Der eingesetzte Zement stammt aus dem Werk Hannover von Heidelberg Materials.

Herausforderungen durch veränderte Tidebedingungen

Die Sanierung wird durch den sich verändernden Tidehub in der Region erschwert, der den Wasserdruck auf die Kaimauer erhöht hat. Dies führte zu Rissen und großflächigen Beschädigungen des Mauerwerks. Verantwortlich für das Projektmanagement der Sanierung ist die ReGe Hamburg im Auftrag des Landesbetriebs Immobilienmanagement und Grundvermögen der Freien und Hansestadt Hamburg. Ausgeführt werden die anspruchsvollen Arbeiten von der Firma Fr. Holst (GmbH & Co. KG), einem Experten im konstruktiven Ingenieurwasserbau.

Eine Untersuchung ergab erhebliche Defizite bei der ursprünglichen Uferwand aus dem 19. Jahrhundert und einer Überbauung aus den 1960er-Jahren. Um die Stabilität der Uferlinie zu gewährleisten, wurde eine neue Spundwand errichtet. Diese Konstruktion, die etwa sechs Meter in den Boden ragt, übernimmt nun die Funktion der alten Wände. Sie wurde mit statischen Verstärkungen und 126 Mikropfählen als Schräganker stabilisiert, welche die Kräfte sicher in den Baugrund ableiten.

Spezialbeton für langfristigen Schutz

Die Betonierarbeiten an der Kaimauer umfassten die Verarbeitung von etwa 750 Kubikmetern Spezialbeton. Diese Mischung, ein C35/45-Luftporenbeton, entspricht den Anforderungen der „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen für Wasserbauwerke“ (ZTV-W LB 215) und ist ausgelegt für extreme Wasser-, Frost- und Salzbelastungen. Der Beton enthält mikroskopisch kleine Luftporen, die bei Frost als Ausweichraum für das Wasser dienen. Zur Reduzierung der Wärmeentwicklung und Spannungen in den massiven Bauteilen wurde ein CO2-reduzierter Zement eingesetzt.

Vor Baubeginn durchlief der Luftporenbeton mehrere Prüfungen, darunter Frostprüfungen durch ein unabhängiges Labor, um seine Frostbeständigkeit zu bewerten. Die regelmäßige Überwachung verschiedener Parameter wie Ausbreitmaß und Luftporeninhalt des Frischbetons gewährleistet die Einhaltung der Spezifikationen.

Effiziente Baustellenlogistik durch App-Unterstützung

Die Logistik und Koordination auf der Baustelle wurden durch die App OnSite von Heidelberg Materials wesentlich erleichtert. Über die App konnte der Beton in Echtzeit bestellt und verfolgt werden, was den gesamten Lieferprozess optimierte. Zudem ermöglichten die Maßnahmen vor Ort, auf die ursprünglich geplante Betonierung von der Wasserseite aus zu verzichten.

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