Kanton Wallis: Hangrutsch droht, Dorf Chippis gefährdet

11.03.2026

Die geologischen Bedingungen im Schweizer Kanton Wallis stellen aktuell eine ernstzunehmende Bedrohung aufgrund eines aktiv wachsenden Erdrisses dar, wie der BR berichtet. Der Erdriss, der sich an einem Hang in der Nähe des Dorfes Chippis gebildet hat, weist eine Länge von mittlerweile 250 Metern auf. Geschätzte 500.000 Kubikmeter Erdreich könnten sich in Bewegung setzen, was sowohl das Dorf Chippis als auch den Flusslauf der Navizence gefährden könnte. Diese geotechnische Situation erfordert eine intensive Überwachung und detaillierte Planung, um adäquate Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Geotechnische Dynamik: Rissbildung und Erosionsprozesse

Die Bruchlinie, die oberhalb von Chippis in der Val d’Anniviers Region liegt, wurde erstmals im Herbst des Vorjahres entdeckt. Seither hat sich die Bodenformation in eine kritische Richtung entwickelt, mit einem Spalt, der inzwischen eine Breite zwischen 80 Zentimetern und einem Meter erreicht hat. Die Dynamik der Rissausbreitung ist beträchtlich; täglich wächst die Öffnung um zwei bis vier Millimeter. Diese messbare Ausdehnung ist ein Indikator für die instabilen Boden- und Gesteinsverhältnisse in der Region.

Potenzielle Auswirkungen auf hydrologische und infrastrukturelle Systeme

Ein möglicher Hangrutsch könnte nicht nur das Siedlungsgebiet von Chippis bedrohen, sondern auch das Flussbett der Navizence gravierend beeinflussen. Die Möglichkeit der Verschüttung des Flussbettes könnte Überschwemmungen in der Region auslösen, insbesondere wenn der Fluss über die Ufer tritt und das nahegelegene Chippis mit seinen rund 1.500 Einwohnern betroffen wäre. Diese hydrologischen Risiken lassen den Handlungsdruck steigen, da die drohende Gefahr einen potenziellen Notstand auslösen könnte.

Vorbereitende Maßnahmen und geodätische Überwachung

In Reaktion auf diese Entwicklungen und unter Berücksichtigung der potenziellen Gefährdung der Einwohner von Chippis wird eine Evakuierung vorbereitet. Eine kontinuierliche Überwachung des Risses findet täglich statt, um rechtzeitig auf Veränderungen reagieren zu können und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Diese Präventivmaßnahmen sind essenziell, um das Risiko für die lokale Bevölkerung und die Infrastruktur zu minimieren.

Erfahrungen aus früheren geologischen Ereignissen im Wallis

Bereits im Mai 2025 ereignete sich im Kanton Wallis ein gravierender Felssturz im Lötschental. Damals stürzten rund neun Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis talwärts, nachdem dort ein massiver Gesteins- und Gletscherabbruch stattfand. Das Dorf Blatten wurde dadurch maßgeblich beschädigt, und Häuser gingen in einem neu entstandenen See unter, der sich durch das gestautes Flussbett gebildet hatte. Die rechtzeitige Evakuierung der Einwohner verhinderte glücklicherweise Personenschäden.

Auch interessant:

Startschuss für den Kabelzug: SuedOstLink vor Zeitplan

Startschuss für den Kabelzug: SuedOstLink vor Zeitplan

Der SuedOstLink, ein wichtiges Projekt der Energiewende, macht bedeutende Fortschritte. Der Abschnitt A1, der von der Firma PORR Verkehrswegebau Berlin im Auftrag von 50Hertz realisiert wird, umfasst eine Erdkabeltrasse von 29,6 Kilometern Länge. Bereits jetzt...

750 Mikropfähle für neues Zentralklinikum Diepholz

750 Mikropfähle für neues Zentralklinikum Diepholz

Im niedersächsischen Borwede wird bis Ende 2028 ein neues Zentralklinikum errichtet, das drei kleinere Krankenhäuser im Landkreis Diepholz ersetzen soll. Das Bauprojekt auf einer neun Hektar großen Fläche ist eine zentrale Komponente der umfassenden Strategie zur...

Der Liebherr R 938 im Nassbaggerbetrieb für Ghent Dredging

Der Liebherr R 938 im Nassbaggerbetrieb für Ghent Dredging

Liebherr, bekannt für seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Spezialbaggern, hat einen neuen Raupenbagger speziell für Ghent Dredging entwickelt: den R 938, der am Binnenhafen in Béthune, Nordfrankreich, zum Einsatz kommt. Das Unternehmen Ghent Dredging...

Neueste Lexikoneinträge:

Probenahme nach LAGA PN 98

Die LAGA PN 98 (LAGA-Mitteilung 32, Stand Mai 2019) ist eine seit 2001 geltende fachliche Richtlinie für die einheitliche Probenahme fester Abfälle und abgelagerter Materialien bei stofflicher Verwertung oder Beseitigung. Sie standardisiert das Vorgehen bei der...

Technisches Bauwerk im Sinne der Ersatzbaustoffverordnung

Die Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) ist seit dem 1. August 2023 in Kraft und regelt den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) in „technische Bauwerke“. Ob ein Vorhaben als technisches Bauwerk einzuordnen ist, entscheidet regelmäßig darüber, welche...

Bodenverbesserung mit Kalk im Erdbau

Kalkbehandlung ist im Erdbau eine gezielte chemisch-mineralogische Veränderung des anstehenden Bodens, um Einbaufähigkeit, Verdichtbarkeit und Tragverhalten zu verbessern oder dauerhaft zu stabilisieren. Praktisch entscheidend ist dabei, dass sich insbesondere...

Geotechnische Kategorien nach EC 7, DIN 1054, DIN 4022

Geotechnische Kategorien dienen der Festlegung von Mindestanforderungen an Umfang und Qualität von Baugrundaufschlüssen, Feldversuchen und geotechnischen Laboruntersuchungen in Abhängigkeit von Bauaufgabe und Baugrund. Es wird zwischen drei Kategorien unterschieden,...

Geotechnische Kategorie GK 3

Nach DIN EN 1997-1 (Eurocode EC 7) bzw. DIN 4020 und DIN 1054 wird zwischen drei verschiedenen Geotechnischen Kategorien unterschieden. In diesem Artikel wird die Geotechnische Kategorie GK 3 umfassend erläutert. Eine Übersicht und grundsätzliche Informationen finden...