Salzsäuretest bei Böden (HCl-Test): Carbonatnachweis für die geotechnische Bodenansprache

27.02.2026

Der Salzsäuretest, häufig als HCl-Test bezeichnet, ist ein einfacher Feldversuch zum Nachweis von Carbonaten im Boden. Geotechnisch ist er kein Laborversuch zur Kalkgehaltsbestimmung nach DIN 18129, sondern ein Hilfsmittel der Bodenbeschreibung: Er unterstützt die standardisierte Ansprache von Schichten, die Zuordnung von Bohrgut zu geologischen Einheiten und die eindeutige Kommunikation im Schichtenverzeichnis.

Carbonate treten im Baugrund sowohl als fein verteilte Bestandteile (kalkhaltige Sande/Schluffe, Mergelanteile) als auch als grobe Komponenten (Kalksteinbruchstücke, Konkretionen, Krusten) auf. Diese Heterogenität kann Probenbild, Bohrfortschritt, Lösbarkeit und Streuung von Kennwerten beeinflussen. Der Test liefert dafür einen schnellen, vor Ort prüfbaren Hinweis.

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Normung: von DIN 4022 zur DIN EN ISO 14688-1

In Deutschland war die Bodenbeschreibung lange stark durch die DIN-4022-Reihe geprägt. Diese nationale Systematik ist im Zuge der Harmonisierung durch europäische und internationale Normen abgelöst worden.

Maßgeblich für die Benennung und Beschreibung von Böden im geotechnischen Kontext ist heute die DIN EN ISO 14688-1. Sie führt den Carbonat- bzw. Kalkgehalt als Beschreibungsmerkmal und koppelt die Einstufung an die Beobachtung der Reaktion einer Probe auf verdünnte Salzsäure.

Der praktische Kern bleibt damit unverändert: Die Normung sorgt vor allem für einheitliche Begriffe, nachvollziehbare Dokumentation und bessere Vergleichbarkeit zwischen Projekten.

Grundprinzip: warum es schäumt

Carbonate reagieren mit Salzsäure unter Freisetzung von Kohlendioxid. Bei Calciumcarbonat (Calcit) lässt sich das als Reaktionsgleichung darstellen:

CaCO₃ + 2 HCl → CO₂ ↑ + CaCl₂ + H₂O

Das entstehende CO₂ zeigt sich als Blasenbildung bzw. Aufbrausen. Die Reaktionsintensität ist ein Hinweis auf das Vorhandensein und die grobe Menge sowie die Reaktivität der Carbonate, ersetzt aber keine quantitative Bestimmung.

Durchführung des Salzsäuretests

Für eine saubere, reproduzierbare Ausführung sind drei Punkte entscheidend: richtige Säurekonzentration, frische Probenoberfläche, kontrollierte Dosierung.

In der geotechnischen Praxis wird üblicherweise 10%ige Salzsäure (HCl) verwendet. Die Probe entnimmt man schichtbezogen aus dem Bohrgut, aus dem Schurf oder an der Profilwand. Vor dem Betropfen wird eine frische Schnitt- oder Bruchfläche hergestellt. Verwitterte Oberflächen oder verschmierte Tonfilme können die Reaktion deutlich dämpfen und zu Fehleinschätzungen führen. Bei grobkörnigen Böden ist es sinnvoll, nicht nur „das Gemenge“ zu testen, sondern gezielt einzelne auffällige Bestandteile (helle Körner, Konkretionen, Mergelstücke) auf frischer Bruchfläche zu prüfen, weil Carbonat oft lokal konzentriert vorliegt.

Der eigentliche Test erfolgt tropfenweise. Man bringt eine kleine Probenmenge in eine säurebeständige Schale oder testet direkt an der freigelegten Profilfläche. Mit einer Pipette oder Tropfflasche werden ein paar Tropfen 10% HCl gezielt auf die frische Oberfläche gegeben. „Fluten“ ist zu vermeiden, weil es die Beobachtung unscharf macht und an der Profilwand zudem die Zuordnung zu einer Schicht verfälschen kann.

Unmittelbar nach dem Auftropfen wird die Reaktion beobachtet. Bei sehr feuchten, feinkörnigen oder dichten Proben kann die Gasentwicklung verzögert einsetzen; dann wird die Oberfläche erneut angeritzt und erneut tropfenweise betropft. Wichtig ist, die Beobachtung immer an derselben Schicht und an frischem Material durchzuführen.

Für die Dokumentation im Schichtenverzeichnis wird die Beobachtung in eine standardisierte verbale Stufe übersetzt. Typisch ist die vierstufige Einordnung:

  • nicht kalkhaltig (keine sichtbare Gasentwicklung)
  • schwach kalkhaltig (schwaches oder punktuelles Aufbrausen)
  • kalkhaltig (deutliches Aufbrausen, das relativ rasch abklingt)
  • stark kalkhaltig (kräftiges, anhaltendes Aufbrausen)

Bei heterogenen Proben sollte zusätzlich vermerkt werden, ob die Reaktion nur an Einzelkomponenten auftritt („punktuell/Komponenten reagieren“), weil dies für die Interpretation im Baugrund relevanter ist als eine pauschale Angabe.

Interpretation für die Baugrundpraxis und typische Grenzen

Der Salzsäuretest ist qualitativ. Er sagt zuverlässig „Carbonate ja/nein“ und liefert eine praxisnahe Einstufung der Reaktionsstärke, ist aber keine Aussage in Masse-% und keine Materialprüfung im Sinne der Ermittlung von Kennwerten. In der Geotechnik ist das dennoch wertvoll, weil es die Bodenansprache absichert, Schichtgrenzen plausibilisiert und Hinweise auf zementierte Bereiche oder karbonatführende Auffüllungsanteile gibt.

Grenzen ergeben sich vor allem aus Materialeigenschaften und Heterogenität. Dolomitische Carbonate reagieren häufig schwächer oder langsamer als reiner Calcit. Sehr feuchte und tonige Proben können die sichtbare Gasentwicklung verzögern. Umgekehrt kann eine starke Reaktion auch durch lokal konzentrierte Konkretionen verursacht sein, ohne dass das gesamte Gemenge stark kalkhaltig ist. Genau deshalb ist die konsequente Prüfung an frischer Oberfläche und an mehreren Punkten innerhalb einer Schicht in der Praxis wichtiger als ein „einmaliger Tropfen“ auf das Bohrgut.

Der Test ersetzt außerdem keine chemische Bewertung von Grundwasser- oder Bodenaggressivität und keine Laboranalytik, wenn projektbezogen Grenzwerte, Reaktionspotenziale oder Mischungs-/Entsorgungsfragen zu klären sind. Er ist ein Baustein der Beschreibung, nicht der abschließenden Materialcharakterisierung.

Bodenkundliche Einordnung: warum Carbonate dort ebenfalls relevant sind

Auch bodenkundlich ist der Carbonatnachweis zentral, allerdings mit anderer Zielsetzung. Carbonate beeinflussen die Pufferung gegen Versauerung, die pH-nahen Standorteigenschaften, die Nährstoffverfügbarkeit und die Ausbildung von Horizonten (z. B. Kalkakkumulationen). Das erklärt, warum derselbe Feldtest in Bodenkunde und Landwirtschaft verbreitet ist.

Für geotechnische Projekte ist dieser Blickwinkel dann hilfreich, wenn chemisch geprägte Prozesse das Baugrundverhalten mitbestimmen können, etwa bei karbonatreichen Krusten, anthropogenen Materialien oder in Bereichen mit wechselnder Wasserchemie.

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