ifo Institut: Wohnungsbau in Europa auf neuem Tiefpunkt

17.02.2025

Im Jahr 2025 erreicht die Zahl der in Europa fertiggestellten Wohnungen ihren niedrigsten Stand seit 2015. Die Bauaktivitäten beschränken sich auf 1,5 Millionen Wohneinheiten, was einem Rückgang von 5,5 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Prognosen der Forschergruppe EUROCONSTRUCT, der auch das ifo Institut angehört, deuten jedoch für das Jahr 2026 auf einen leichten Anstieg von 3,0 % hin.

In Deutschland setzt sich der negative Trend beim Wohnungsbau fort. Im ungünstigsten Fall werden 2026 lediglich 175.000 neue Wohnungen fertiggestellt, dies entspricht einem Rückgang von 15% im Vergleich zum Vorjahr. Ludwig Dorffmeister, Experte für Bauwirtschaft am ifo Institut, erklärt: „In Deutschland verhindern derzeit vor allem die hohen Baukosten eine rasche Marktbelebung.“

Erholung im Wohnungsbau in Nordeuropa und Osteuropa

Erfreuliche Entwicklungen sind in den nordischen Ländern zu verzeichnen. Dorffmeister merkt an: „In den nordischen Ländern erholen sich die Märkte nach dem vorangegangenen Einbruch wieder kräftig.“ Insbesondere in Schweden wird für das Jahr 2025 ein Anstieg der Bauaktivitäten um 12 % erwartet. Auch Dänemark (plus 28 %), Finnland (plus 23 %) und Norwegen (plus 13 %) prognostizieren für 2026 ein deutliches Wachstum. Polen zeigt mit einem erwarteten Anstieg von 10 % eine ähnliche Tendenz.

Rückgang in weiteren europäischen Ländern

Im Gegensatz dazu sinkt die Anzahl der errichteten Wohnungen in Österreich im Jahr 2026 um 9 %. Auch Frankreich und Italien verzeichnen einen Rückgang, jedoch in geringerem Ausmaß von 3 % im Vergleich zu 2025.

Der europäische Tiefbau zeigt hingegen eine positive Entwicklung, unterstützt durch umfangreiche öffentliche Investitionen und langfristige Infrastrukturprojekte. Diese Dynamik wird jedoch voraussichtlich bis 2027 nachlassen. Dorffmeister erläutert: „Der Tiefbau in Europa könnte nach elf Jahren beinahe stetigen Wachstums bald seinen Höhepunkt erreichen.“ Das erwartete Wachstum wird bis 2027 auf 1,5 % sinken, während der Durchschnitt zwischen 2017 und 2024 bei 2,5 % lag.

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