Die Zukunft der Offshore-Gründungstechnologie: Das Dive-Drill-Verfahren von Bauer

02.03.2025

Insgesamt hat Bauer per Dive-Drill-Verfahren 190 Pfähle vor der Küste Frankreichs gebohrt.
Insgesamt hat Bauer per Dive-Drill-Verfahren 190 Pfähle vor der Küste Frankreichs gebohrt.

Die BAUER Maschinen GmbH, ein führendes Unternehmen im Bereich Spezialtiefbau, wurde für den renommierten bauma Innovationspreis 2025 nominiert. Diese Anerkennung wird für das innovative Dive-Drill-Verfahren vergeben, das entscheidende Fortschritte im Bereich der Offshore-Fundamentbauweise darstellt. Diese Methode ermöglicht die sichere und nachhaltige Realisierung von Offshore-Windparks unter anspruchsvollsten Bedingungen.

Sichere Verankerung unter Extrembedingungen

Das Dive-Drill-Verfahren ist bemerkenswert vielseitig und in der Lage, sowohl weiche Sedimente als auch Gesteine mit einer Druckfestigkeit von bis zu 200 MPa zu durchbohren. Damit ist es ideal für die Verankerung von stationären und schwimmenden Offshore-Windkraftanlagen sowie Gezeitenturbinen geeignet. Diese Technologie garantiert eine sichere Grundlage für die Infrastruktur der erneuerbaren Energien der Zukunft.

Umweltfreundliche Bohrtechnologie

Das eigens entwickelte Bohrgerät von Bauer wird von einem Installationsschiff aus gesteuert und zeichnet sich durch seine vibrationsarme Betriebsweise aus, wodurch die Auswirkungen auf das marine Ökosystem erheblich minimiert werden. Selbst nahe dem Bohrpunkt sind die Betriebsgeräusche kaum wahrnehmbar. Darüber hinaus kommen im Hydraulikkreislauf biologisch abbaubare Flüssigkeiten zum Einsatz, was die Umweltfreundlichkeit der Methode weiter unterstreicht. Temporäre Schutzrohre stabilisieren das Bohrloch, während das Bohrwerkzeug das Material zerkleinert und als pumpfähige Suspension abführt.

Effizienz und Wirtschaftlichkeit auf hoher See

Das Konzept des Dive-Drill-Verfahrens steht für maximale Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Durch den parallelen Einsatz mehrerer Bohrgeräte kann die Fertigstellung eines Fundaments signifikant beschleunigt werden, was zu einer Reduzierung der Gesamtkosten führt. Die Technologie hat ihre Effektivität bereits unter Beweis gestellt: Vor der Küste Frankreichs wurden 190 Pfähle in einer Wassertiefe von bis zu 40 Metern erfolgreich installiert, mit einer Tragfähigkeit von bis zu 20.000 kN.

Innovative Energienutzung

Bei der Energieversorgung der Bohrgeräte setzt Bauer auf elektrohydraulische Antriebe. Diese sind nicht nur maximal effizient, sondern auch mit minimalem Energieverbrauch operativ. Sie können sowohl auf stationären als auch auf schwimmenden Plattformen flexibel eingesetzt werden. Ein weiteres Highlight ist die Verwendung von Meerwasser zur Herstellung der Zementsuspension, was den logistischen Aufwand reduziert.

Übertragung von Onshore-Technologien auf Offshore-Projekte

Seit über 50 Jahren entwickelt die BAUER Maschinen GmbH Präzisionsgeräte für den Spezialtiefbau. Bewährte Technologien wie das Kellybohren oder Fräsen finden nun auch auf hoher See Anwendung. Mit dem neuen Dive-Drill-Verfahren wird deutlich, wie gut etablierte Onshore-Prinzipien für Offshore-Anwendungen adaptiert werden können.

Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektiven

Das Dive-Drill-Verfahren eröffnet neue Möglichkeiten im Offshore-Bereich. Es ist nicht nur für klassische Gründungsarbeiten und Mining-Projekte geeignet, sondern auch für die Erkundung von Bodenschätzen. Moderne Technologie wird mit jahrzehntelangem Know-how kombiniert, um neue Standards in Effizienz und Umweltfreundlichkeit zu setzen.

Harald Heinzelmann, Geschäftsführer (COO) von Bauer Spezialtiefbau, erklärt dazu: „Unsere Expertise im Spezialtiefbau kombiniert mit innovativen Technologien ermöglicht es uns, Offshore-Projekte effizient und nachhaltig umzusetzen. Mit unserem Dive-Drill-Verfahren schaffen wir die Basis für eine zukunftsweisende Nutzung erneuerbarer Energien – sicher, präzise und ressourcenschonend.“

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