Zentralverband Deutsches Baugewerbe: „Das Sondervermögen darf nicht zum Sondervergnügen werden“

25.03.2025

Die Bauwirtschaft in Deutschland begrüßt die Zustimmung des Bundestages und Bundesrates zur Verfassungsänderung und zu einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Infrastruktur. Diese Maßnahme wird als wesentlicher Schritt zur Modernisierung der Infrastruktur angesehen, wie Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, erklärt. Seiner Ansicht nach ist diese Entscheidung ein Ende des jahrzehntelangen Reformstaus und schafft die Grundlage für eine echte Modernisierungsoffensive.

Notwendigkeit einer Reformkoalition, Effizienz der Genehmigungsprozesse

Schubert-Raab weist darauf hin, dass der wirtschaftspolitische Test noch bevorsteht. Er äußert Bedenken, dass das Sondervermögen lediglich als reines Ausgabemittel ohne echte Reformen verpuffen könnte. „Das Sondervermögen darf nicht zum Sondervergnügen werden. Die neue Regierung muss eine Reformkoalition bilden“, betont er. Ohne die Einführung neuer Strukturen besteht die Gefahr, dass die finanzielle Unterstützung nicht effektiv genutzt wird.

In seiner Analyse kritisiert Schubert-Raab die aktuellen Prozesse für Infrastrukturprojekte in Deutschland. Er beschreibt diese als qualvoll und ineffizient, da bis zu 85 Prozent eines Projekts in Genehmigungsprozessen versanden können. „Der Theorieteil ist zu lang. Die Politik muss zeigen, dass sie wirklich Interesse an schnelleren Prozessen hat“, sagt er. Eine Reformagenda sei unvermeidlich, um die Effizienz zu verbessern.

Forderungen nach Bürokratieabbau

Um die Vorteile des Sondervermögens nachhaltig zu nutzen, fordert die Bauindustrie schnelle Genehmigungen, weniger Vorschriften und schlanke Prozesse. Schubert-Raab spricht sich für den Verzicht auf zeitaufwändige Planfeststellungsverfahren bei Ersatzneubauten aus. Er sieht Stichtagsregelungen und klare Technikvorschriften als unverzichtbar, um die Prozesse zu beschleunigen.

Der erhoffte Bürokratieabbau würde seiner Meinung nach die Baukosten erheblich senken und auch private Bauherren und potenzielle Hausbauer entlasten. Dies ist besonders wichtig, da steigende Zinsen die Bauaktivität hemmen. Schubert-Raab sieht eine nachhaltige Reformagenda als notwendig an, um den Mittelstand langfristig zu entlasten und die Projektkosten zu reduzieren.

Effektive Nutzung des Sondervermögens

Insgesamt fordert er ein effektives Management der Mittel durch Aufträge an ortsansässige Unternehmen, um das Potenzial des Sondervermögens voll auszuschöpfen. Eine kluge Vergabe würde das schnellste und größte Re-Invest des eingesetzten Kapitals gewährleisten und zu einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

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