BVMB kritisiert schleppenden Mittelabfluss bei Infrastrukturprojekten

16.06.2026

Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) weist in Reaktion auf den aktuellen Bericht des Bundesfinanzministeriums auf den mangelnden Fortschritt bei der Umsetzung des 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität hin. Hauptgeschäftsführer Michael Gilka betont die Notwendigkeit, finanzielle Mittel zügig in konkrete Bauaufträge umzuwandeln, um die dringend benötigte Modernisierung von Straßen, Schienen und Brücken sicherzustellen. Trotz der Bereitstellung umfangreicher Finanzmittel zeigt sich vielerorts ein Investitionsstau, begleitet von Verzögerungen und zunehmenden infrastrukturellen Schäden.

Folgen der Investitionsverzögerungen

Ein spezifisches Beispiel für die wirtschaftlichen Auswirkungen zögerlicher Investitionen ist die Vollsperrung der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn, die sinnbildlich für die volkswirtschaftlichen Kosten versäumter Sanierungsmaßnahmen steht. Gilka fordert eine Beschleunigung der Planungsprozesse sowie stärkeren politischen Willen, um aus bereitgestellten Kreditermächtigungen sichtbare Infrastrukturprojekte zu realisieren. Zudem betont er die Notwendigkeit, dass zukünftige Generationen nicht nur mit Zins- und Tilgungslasten belastet werden sollen, sondern auch eine „volkswirtschaftliche Rendite“ sehen müssen.

Mangelnde Umsetzung 2025

Laut dem Bericht des Bundesfinanzministeriums zum Monitoring des Sondervermögens für Infrastruktur wurden 2025 nur rund 24 Milliarden Euro der vorgesehenen 37,2 Milliarden Euro tatsächlich in Projekte investiert. Gilka zeigt sich unzufrieden mit dem langsamen Mittelabfluss und kritisiert das Unvermögen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Er betont, dass die Bevölkerung in Deutschland sichtbare Fortschritte im Bereich Infrastruktur erwarte, um Vertrauen in staatliches Handeln zu entwickeln.

Defizite in Bauämtern

Ein weiteres Problemfeld, das Gilka anspricht, ist das Fehlen einer effizienten Verwaltungskultur in Bauämtern. Oft seien zuständige Sachbearbeiter im Urlaub, es fehle an Vertretungen oder an Personen mit ausreichender Entscheidungsbefugnis. Diese Umstände führen dazu, dass selbst laufende Projekte ins Stocken geraten. Um Planungs- und Bauprozesse zu beschleunigen, sei eine neue Kultur des Entscheidens sowie klare Zuständigkeiten in den Behörden erforderlich.

Demografische Herausforderungen in der Personalausstattung

Die Personalausstattung in den Bauämtern entwickelt sich zunehmend zu einem demografischen Risiko für die Infrastruktur in Deutschland. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass immer mehr Leitungspositionen unbesetzt bleiben und Ausschreibungen wiederholt werden müssen. Grund hierfür sei ein nahezu unrealistisches Anforderungsprofil für Bauingenieure, das Führungserfahrung, umfassendes Know-how im Bau- und Verwaltungsrecht sowie Verhandlungskompetenz erfordert – Qualifikationen, die auf dem Arbeitsmarkt rar sind. Gilka warnt ausdrücklich vor den Folgen dieses Fachkräftemangels: Ohne ausreichendes Personal könnten Planungs-, Genehmigungs- und Vergabeprozesse nicht effizient durchgeführt werden.

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