Chemische Verwitterung

04.02.2023

Chemische Verwitterung meint Prozesse, infolge derer Minerale durch Reaktion mit Wasser und / oder der darin enthaltenen Stoffe umgewandelt werden. Die chemische Verwitterung ist der treibende Prozess für die Entstehung von Karst und begünstigt damit letztlich das Auftreten von Erdfällen.

Im Gegensatz zur physikalischen Verwitterung, bei der die stoffliche Zusammensetzung unverändert bleibt, aber der Gesteinsverband zerstört wird, ist die Stoffumwandlung entscheidendes Kennzeichen. Die physikalische Verwitterung kann die chemische jedoch deutlich beschleunigen, da hierdurch die Angriffsfläche für die nachfolgend beschriebenen Prozesse deutlich erhöht wird.

Unterscheidung der verschiedenen Prozesse

Je nach Art des chemische Prozesses wird die chemische Verwitterung beispielsweise weiter unterschieden in:

  • Lösungsverwitterung: Ionisch gebundene Salze können aufgrund des negativen Ladungsüberschusses von Wasser (Dipol) gelöst werden. Dieser chemische Prozess ist bedeutend für die Lösung von Steinsalz und Gips, jedoch sind nicht alle Salze gut in Wasser löslich.
  • Kohlensäureverwitterung (auch Karbonatisierung): Hierbei handelt es sich um eine Art der Lösungsverwitterung, die bei Karbonatgesteinen auftritt. Aus dem Mineral Calcit entsteht in Verbindung mit Kohlensäure durch Hydrolyse Calciumhydrogenkarbonat. Das Reaktionsprodukt ist gut wasserlöslich und wird anschließend in wässriger Lösung abtransportiert.
  • Hydratationsverwitterung: Bei der Hydratisierung werden Wassermoleküle im Kristallgitter eingelagert, wobei die chemische Zusammensetzung jedoch grundsätzlich unverändert bleibt. Von chemischer Verwitterung ist hier nur die Rede, wenn auch das Kristallgitter verändert wird. Dies geht vor allem bei Salzen mit einer zum Teil erheblichen Volumenvergrößerung einher. So wird Anhydrit durch Hydratation zu Gips und nimmt hierbei bis zu 60 % an Volumen zu.
  • Oxidationsverwitterung: Hier wird zweiwertiges Eisen und Mangan durch in Wasser gelösten Sauerstoff oxidiert. Durch die veränderten Ladungsverhältnisse werden Minerale verändert und Eisen- und Manganoxide ausgefällt. Charakteristisch ist hier die rostbraune Färbung von den dreiwertigen Eisenoxiden.

Weitere Merkmale der chemischen Verwitterung

Die chemische Verwitterung ist in der Regel deutlich temperaturabhängig. Mit Ausnahme der Kohlensäureverwitterung beschleunigt sich der Reaktionsablauf mit steigender Temperatur.

Unterschieden wird auch zwischen kongruenten und inkongruenten Formen. Bei kongruenten Formen wird das Mineral vollständig gelöst. Ein Beispiel ist die Kohlensäureverwitterung. Bei inkongruenten Formen findet eine Mineralneubildung statt, bei der Feststoffe am Ort der Entstehung zurückbleiben können. Dies betrifft beispielsweise die Oxidationsverwitterung, bei der oxidische Feststoffe gebildet werden.

Auch interessant:

Spesa: Sanierung der Stützmauern an der Alten Synagoge Hohenlimburg

Spesa: Sanierung der Stützmauern an der Alten Synagoge Hohenlimburg

Die Alte Synagoge in Hohenlimburg, erbaut im Jahr 1870, ist aufgrund ihrer historischen Bedeutung und ihrer Lage auf einer schmalen Hangterrasse ein bedeutendes Bauwerk im südöstlichen Ruhrgebiet. Derzeit wird sie von der Wirtschaftsbetriebe Hagen AöR instand gesetzt,...

Einführung der Basetrac Plate von Huesker für mobile Baustraßen

Einführung der Basetrac Plate von Huesker für mobile Baustraßen

Die Basetrac Plate ist eine neu entwickelte Lastverteilungsplatte, konzipiert für Anwendungen in mobilen Baustraßen, temporären Zuwegungen sowie größeren Projekten wie dem Bau von Windparks. Diese Innovation vereint einen hochzugfesten, faserverstärkten Verbundaufbau...

Neueste Lexikoneinträge:

Probenahme nach LAGA PN 98

Die LAGA PN 98 (LAGA-Mitteilung 32, Stand Mai 2019) ist eine seit 2001 geltende fachliche Richtlinie für die einheitliche Probenahme fester Abfälle und abgelagerter Materialien bei stofflicher Verwertung oder Beseitigung. Sie standardisiert das Vorgehen bei der...

Technisches Bauwerk im Sinne der Ersatzbaustoffverordnung

Die Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) ist seit dem 1. August 2023 in Kraft und regelt den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) in „technische Bauwerke“. Ob ein Vorhaben als technisches Bauwerk einzuordnen ist, entscheidet regelmäßig darüber, welche...

Bodenverbesserung mit Kalk im Erdbau

Kalkbehandlung ist im Erdbau eine gezielte chemisch-mineralogische Veränderung des anstehenden Bodens, um Einbaufähigkeit, Verdichtbarkeit und Tragverhalten zu verbessern oder dauerhaft zu stabilisieren. Praktisch entscheidend ist dabei, dass sich insbesondere...

Geotechnische Kategorien nach EC 7, DIN 1054, DIN 4022

Geotechnische Kategorien dienen der Festlegung von Mindestanforderungen an Umfang und Qualität von Baugrundaufschlüssen, Feldversuchen und geotechnischen Laboruntersuchungen in Abhängigkeit von Bauaufgabe und Baugrund. Es wird zwischen drei Kategorien unterschieden,...

Geotechnische Kategorie GK 3

Nach DIN EN 1997-1 (Eurocode EC 7) bzw. DIN 4020 und DIN 1054 wird zwischen drei verschiedenen Geotechnischen Kategorien unterschieden. In diesem Artikel wird die Geotechnische Kategorie GK 3 umfassend erläutert. Eine Übersicht und grundsätzliche Informationen finden...