Auf Torf gebaut: Warum er im Baugrund so gefürchtet ist

Auf Torf gebaut: Warum er im Baugrund so gefürchtet ist

Zwar gibt es viele Böden, die das Bauen kompliziert machen, aber kaum einer ist auch außerhalb der Fachwelt so berüchtigt wie Torf. Wer in seinem Bodengutachten Hinweise darauf entdeckt, darf sich oft auf hohe Mehrkosten gefasst machen.

Doch woran liegt das? Was unterscheidet Torf von anderen Bodenarten? In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über Torf als Baugrund wissen müssen.

Wie Torf entsteht

Um zu erklären, weshalb Torf als Baugrund so unbeliebt ist, ist es sicherlich hilfreich zunächst zu klären, was Torf eigentlich ist.

Torf entsteht in Mooren. Wie genau, war lange Zeit unbekannt. Noch Anfang des 18. Jahrhunderts wurde in einem der ersten bekannten Bücher, die sich mit dem Thema befassen, darüber spekuliert, ob Torf „Faulholtz sey“, ober „harzigt oder schweffelhafte Materie sey“, ob er „Erde sey“ oder ein „Auswurf des Meeres“. Erst im 19. Jahrhundert wurde es zur Lehrmeinung, dass Torf aus „halbzerstörten“ Pflanzen besteht. Wesentlicher Bestandteil von Torf sind also organische Substanz, weshalb Torf auch folgerichtig den organischen Sedimenten zugeordnet wird.

Moor, in dem Torf entsteht.
In einem solchen Moor entsteht Torf

Damit sich ein Moor und damit auch Torf bilden kann, wird viel Wasser benötigt. Hohes Grundwasser in Niederungen beispielsweise sorgt dafür, dass sich wasserliebende Pflanzen ansiedeln. Die sauerstoffarmen und wasserreichen Bedingungen sorgen dafür, dass die Produktion von Pflanzenmaterial höher ist, als der Abbau abgestorbener Pflanzen. Damit sammelt sich nach und nach immer mehr abgestorbenes Pflanzenmaterial an, das sich durch die gehemmte Zersetzung in Torf umwandelt. Dieser Prozess geht vergleichsweise langsam vonstatten. Mit einer mittleren Bildungsrate von 1 mm pro Jahr ist zu rechnen. Das bedeutet, dass für einen Meter Torf etwa 1000 Jahre verstreichen müssen.

Warum auf Torf gebaut wird

Nun würde kaum jemand auf die Idee kommen, sein Haus im Moor zu bauen. Auch ohne große Fachkenntnis wird intuitiv klar, dass das Moor keinen guten Baugrund abgibt. Passieren tut es dennoch.

Denn das tückische ist, dass nicht die heutigen Moore und sich entwickelnde Torfe das Problem sind, sondern jene, die bereits seit Jahrtausenden gar nicht mehr existieren. Ein Moor bleibt nicht immer ein Moor, die geologische Geschichte bleibt nicht stehen. So ändern sich die Bedingungen und das Moor wird durch neue, andere Sedimente überlagert. Nach einigen Metern Sediment ist von dem Torf nichts mehr zu sehen.

Nun kann es schnell passieren, dass aufgrund fehlender Erfahrung im Baugebiet oder unterlassener Baugrunderkundung der schlechte Baugrund unerkannt bleibt und das Haus unbemerkt darauf gebaut wird. Meist wird also auf Torf gebaut, weil man es nicht besser weiß. Eine sorgfältige Baugrunderkundung kann hiervor meistens schützen.

Torf ist nicht nur schlecht

Torf spielt nicht nur eine Rolle als schlechter Baugrund. Vor allem in der Vergangenheit war er durchaus auch von positiver Bedeutung.

Torf ist aufgrund der Konzentration an organischer Substanz ein guter Brennstoff und wird auch heute noch in moorreichen Ländern zur Stromerzeugung eingesetzt. In Deutschland spielt er als Brennstoff keine Rolle mehr. In der Vergangenheit war das jedoch anders und auch heute noch erinnern vielerorts Straßennamen wie „Am Torfbruch“ an den ehemaligen Torfabbau. Das muss für die die Baugrundstücke in solchen Straßen keine Bedeutung haben, aber zumindest hellhörig sollte man werden.

Auch wenn Torf als Brennstoff hierzulande keine Rolle mehr spielt, werden immernoch 3,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr abgebaut (gem. Industrieverband Garten e.V., Stand 2018). Heute wird er vor allem im Gartenbau als Pflanzsubstrat benötigt. Gewonnen wird der Torf aus Umweltschutzgründen heute nicht mehr in Mooren, sondern in ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen, die bereits vor langer Zeit entwässert wurden.

Zuletzt soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Torf auch im Kontext der Bauwirtschaft nicht nur schlecht ist. In Island beispielsweise wird er für die traditionellen Torfhäuser als hervorragender Dämmstoff eingesetzt.

isländisches Torfhaus: Torf als Dämmmaterial.
Traditionelles isländisches Torfhaus: Der Torf dient als Dämmung.

Warum Torf als Baugrund so gefürchtet ist

Torf als Baugrund ist aus mehreren Gründen schlecht, die nachfolgend erläutert werden.

Hohe lastabhängige Verformbarkeit

Wie bereits erläutert besteht Torf zu einem großen Teil aus organischen Stoffen. Auch weitgehend unzersetzte Pflanzenfasern können noch enthalten sein. Man kann sich gut vorstellen, dass sich ein solcher Stoff besser zusammendrücken lässt, als ein Boden aus Sand oder Kies.

Ein Haus muss sein Gewicht immer über den Boden ableiten, wodurch sich in gewissem Umfang immer auch Setzungen einstellen. Der gut zusammendrückbare Torf gibt dann mehr nach als der schlecht zusammendrückbare Kies. Die Folge sind höhere Setzungen.

Dies lässt sich auch quantitativ ganz gut erklären. Die lastabhängige Zusammendrückbarkeit von Böden lässt sich über den sogenannten Steifemodul beschreiben. Das ist ein Materialkennwert, mit der die lastabhängige Verformung von Böden rechnerisch abgeschätzt werden kann. Er soll hier nicht im Detail beschrieben werden. Allerdings kann festgehalten werden, dass die Setzung umso höher ausfällt, je geringer der Wert ist. Der Steifemodul von Torf liegt meist etwa in einem Bereich zwischen 0,5 MN/m² und 2 MN/m². Zum Vergleich: Mitteldicht gelagerte Sande und Kiese weisen in der Regel Steifemoduln zwischen 40 MN/m² und 150 MN/m² auf. Bei gleicher Belastung kann Torf ausgehend von diesen Werten also um bis zu 300 Mal stärker als Sand oder Kies komprimiert werden!

Schrumpfung und Zersetzung durch Wasserentzug

Doch nicht nur die lastabhängigen Setzungen können zum Problem werden. Torf kann sehr hohe Wassergehalte aufweisen, die das Eigengewicht um ein vielfaches überschreiten können. In diesem wässrigen Milieu bei weitgehendem Sauerstoffmangel behält Torf seine Zusammensetzung bei.

Wird der Torf jedoch entwässert und tritt Sauerstoff zu, werden Zersetzungsprozesse in Gang gesetzt. Man spricht davon, dass er „mineralisiert“, also sich der organische Anteil durch Abbau reduziert. Diese Reduktion wird auch als „oxidativer Torfverzehr“ bezeichnet. Dieser Prozess kann über Jahrzehnte andauern.

Vollkommen unabhängig von äußeren Lasten nimmt dadurch die Stabilität und das Volumen von Torf ab. An der Tagesoberfläche stellen sich dann Mulden ein, mit entsprechenden Auswirkungen auf die dort befindliche Bausubstanz.

Der Wasserentzug und die einsetzende Mineralisation kann verschiedene Ursachen haben:

Häufig tritt der Prozess im Zusammenhang mit Grundwasserabsenkungen auf. Wird zum Beispiel in der Nachbarschaft gebaut und für die Baugrube ist eine Wasserhaltung notwendig, dann kann auch das Grundwasser unterhalb der Nachbarbebauung abgesenkt werden. Im Rheinland tritt dies auch sehr viel großflächiger im Zusammenhang mit der Braunkohlengewinnung auf. Hier wird das Grundwasser für den Braunkohlenabbau sehr großflächig abgesenkt.

Auch durch die heißen Sommer der vergangenen Jahre wurden mancherorts Schrumpfungen von Torf verursacht. Die Grundwasserneubildungsrate kann stellenweise nicht mit den sinkenden Grundwasserspiegeln durch die hohen Temperaturen (hohe Evaporation) und geringen Niederschläge mithalten, so dass es zunehmend zur Austrocknung von Torfen kommt. Hinzu kommen Bäume im Bereich von Torf, die durch den Wassermangel in Trockenstress verfallen und vermehrt Wasser aus dem weiteren Umfeld ziehen.

Die lastunabhängie Setzung erschwert im Übrigen auch die rechnerische Beurteilung des Setzungsverhaltens von Torf. Es kann daher ein fataler Trugschluss sein, wenn ein konservativer Wert für den Steifemodul angesetzt wird und dabei festgestellt wird, dass die Setzungen vertretbar sind. Durch mögliche Zersetzung können zusätzliche Setzungen und in der Folge Schäden auftreten.

Die berüchtigten Torflinsen

Das dritte Problem mit Torf ist, dass oft nur sehr lokal und räumlich scharf abgegrenzt in Linsenform („Torflinsen“) auftritt. Das hat zwei Folgen:

Zum einen wird Torf teilweise trotz gewissenhafter Baugrunderkundung nicht erkannt, weil mit den Bohrungen gleichsam Nadelstichen immer nur kleine Bereiche des Baugrunds aufgeschlossen werden können. Eine Torflinse kann dann genau unter der Ecke des geplanten Neubaus liegen, bei der keine Bohrung ausgeführt wurde. Umso wichtiger ist ein erfahrener Bodengutachter, der sich in der Region auskennt, und das Studium der vorhanden geologischen Kartenwerke, die oft Hinweise auf Torf enthalten.

Zum anderen können Torflinsen, die nur in Teilbereichen unter dem Bauwerk liegen, zu stark ungleichmäßigen Setzungen führen. Wie oben bereits erläutert, setzen sich kiesige Böden zum Beispiel kaum. Hier treten oft praktisch nicht wahrnehmbare Setzungen von wenigen Millimetern auf. Bei Torf hingegen können die Setzungen in einer Größenordnung von Dezimetern liegen.

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, was das für ein Haus bedeutet: Es kann sich eine starke Schiefstellung einstellen, das Mauerwerk zerreißt. Hier wäre es dann sogar besser gewesen, das komplette Haus stünde auf Torf. Dies hätte zwar zu massiven Setzungen geführt, aber im besten Fall wenigstens gleichmäßig. Bei einer Schiefstellung kann das Bauwerk unter Umständen durch eine teure Sanierung gerettet werden, manchmal bleibt jedoch auch nur noch der Abriss.

Setzrisse aufgrund von Torflinse
Gebäudeschaden durch Torflinse. (1) Gebäude, (2) tragfähiger Baugrund, (3) ursprüngliche Kontur der Torflinse, (4) zusammengedrückte Torflinse durch die Belastung aus dem Bauwerk

Fallbeispiele für misslungene Gründungen auf Torf

Nachfolgend sollen zwei Fallbeispiele für Gründungen auf Torf gezeigt werden, die die oben beschriebenen Effekte deutlich machen.

Beispiel 1: Baupfusch in Geldern, Nordrhein-Westfalen

RP Online berichtete im Juni 2008 von einem Fall, bei dem die Gründung eines Einfamilienhauses gründlich schief gegangen ist. Das Haus wurde 1999 bezogen und hat 240.000 Euro gekostet. Etwa ein halbes Jahr nach Einzug wurde ein erster Riss in einer Wand entdeckt. Der verantwortliche Bauingenieur tat das zunächst als normalen Setzriss ab. Es blieb jedoch nicht bei dem einen Riss und dieser wurde auch beständig größer. Nach einiger Zeit gab es Risse in Boden und Decke sowie an allen vier Hausseiten. Sie waren teilweise so groß, dass man mit der Hand in den Riss hineinfassen konnte.

Unklar ist, ob vor dem Bau ein Bodengutachten erstellt wurde. Spätestens 2003 hat jedenfalls ein Geologe festgestellt, dass die Schäden durch den Baugrund bedingt sind: Das Haus wurde auf Torf gegründet. Bezeichnenderweise heißt die Straße, in der das Haus gebaut wurde, „Im Torfbruch“. Dies wurde wohl nicht als ausreichendes Warnsignal verstanden. Die Gründung war jedenfalls nicht auf den Torfboden abgestimmt, so dass das Haus massiv beschädigt wurde. Damit nicht genug, wurden auch Schlacken eingebaut, die aufquillen. Während sich das Haus in der Mitte hebt, sinkt es an den Rändern bis zu 13 cm tief in den Torf ein.

Den Eigentümern bleibt nichts anderes übrig, als die Setzungen abzuwarten und dann gegebenenfalls nachzugründen. Falls die Bausubstanz das überhaupt noch mitmacht und es wirtschaftlich abbildbar ist. Von dem Bauingenieur ist laut Artikel jedenfalls nicht viel zu erwarten. Ein Gericht hat zwar festgestellt, dass er die Schäden zu verantworten hat. Die Schadenssumme beläuft sich nach Festsetzung im Jahr 2007 auf 237.491 Euro. Dessen Haftpflichtversicherung zahlt jedoch nicht, weil der Ingenieur grob fahrlässig gehandelt habe. Der Ingenieur selbst bot 25.000 Euro an. Wird das Angebot nicht angenommen, gehe er in die Privatinsolvenz.

Wie der Fall letztlich ausgegangen ist, ist nicht bekannt. Klar ist, dass in erster Linie das Bauen auf Torf zu massiven Schäden und jahrelangem Rechtsstreit geführt hat. Wäre der Baugrund im Vorfeld richtig eingeschätzt worden, hätte durch eine entsprechend ausgelegte Gründung darauf reagiert werden können.

Beispiel 2: Schäden erst nach Jahrzehnten

Bei dem oben beschriebenen Fall haben sich die Schäden durch das Bauen auf Torf sehr schnell gezeigt. Dass es auch anders laufen kann, zeigt ein Fall aus Neustadtgösens in Niedersachsen. NWZonline hat 2018 darüber berichtet.

Das betroffene Haus wurde in den Jahren 1953 und 1954 als eines der ersten Häuser in einem ausgewiesenen Neubaugebiet errichtet. Über Jahrzehnte gab es wohl keine Probleme, der Baugrund konnte die Lasten aus dem Haus schadlos ableiten. Im August wurde in der Nachbarschaft von der Gemeinde eine Kindergrippe erweitert, was einiges an Baustellenverkehr mit sich brachte. Laute Geräusche kündigten Brüche im Mauerwerk an, bald konnten auch Risse mit einem deutlichen Versatz beobachtet werden. Im Laufe der Zeit sind die Risse auf eine Breite von bis zu acht Zentimetern angewachsen.

Der erste Verdacht war, dass die Baufahrzeuge, die regelmäßig an dem Haus vorbeifuhren, für die Schäden verantwortlich waren. Dies hat sich allerdings nicht bestätigt. Stattdessen wurde auf dem Nachbargrundstück eine Mulde festgestellt, die bis zu 30 cm tief war. Die Bodenuntersuchung war zum Zeitpunkt des Artikels noch ausstehend, doch ersten Erkenntnissen zu folge (vermutlich durch Auswertung von geologischem Kartenwerk) ist von einer „Torfinsel“ auszugehen. Der lange, trockene Sommer habe zu einer Austrocknung geführt. Erschwerend kommen drei große Eichen auf dem Grundstück hinzu, die im Trockenstress zusätzlich großräumig Wasser entzogen haben werden.

Das Beispiel zeigt, dass auch Torf, der zunächst noch nicht zu Schäden führt, zeitlichen Veränderungen unterworfen sein kann, die auch nach Jahrzehnten noch zu Schäden führen kann. In diesem Fall waren diese so massiv, dass wohl nur der Abriss bleibt.

Wie das Bauen auf Torf gelingt

Torfböden sind immer ein schlechter Baugrund. In den meisten Fällen ist er jedoch beherrschbar, auch mit wirtschaftlichen Mitteln. Grundvoraussetzung ist eine Baugrunderkundung, bei der der Torf auch erkannt wird und ein Bodengutachten, dass die richtigen Empfehlungen zum Umgang damit gibt.

Eine Patentlösung gibt es nicht, es kommt immer auf den konkreten Einzelfall an, ob und wie auf dem Grundstück gebaut werden kann. Nachfolgend sollen drei Optionen aufgezeigt werden, wie Torfböden begegnet werden kann.

Den Torf umgehen: Die Tiefgründung

Eine Möglichkeit besteht darin, über den Torf keine Lasten abzutragen. Das komplette Gewicht eines Gebäudes, dass über dem Torf liegt, muss dann unterhalb davon in den Baugrund abgetragen werden. Dies wird über sogenannte Tiefgründungen realisiert, bei denen Pfähle oder pfahlähnliche Elemente unter der Grundfläche des Hauses angeordnet werden (siehe nachfolgende Abbildung).

Hier gibt es zahlreiche verschiedene Systeme wie beispielsweise Bohrpfähle, Mikropfähle oder Rammpfähle. Wenn der Torf nicht zu tief liegt, kommt eventuell auch eine Brunnengründung in Betracht.

Tiefgründung über Torf
Pfahlgründung über Torf, hier über Mikropfähle mit kleinem Durchmesser. (1) Bauwerk, (2) tragfähiger Baugrund, (3) nicht tragfähiger Torf, (4) Mikropfahl

Wenn eine Tiefgründung gewählt wird, ist darauf zu achten, dass der Torf immernoch an Volumen verlieren kann (siehe obiges Beispiel 2). Die Tiefgründung sollte dann so bemessen sein, dass der Baugrund oberhalb des Torfs nicht zum Lastabtrag benötigt wird. Dies wäre zum Beispiel bei der kombinierten Pfahl-Plattengründung der Fall, bei dem ein Teil der Lasten über die Pfähle und ein anderer Teil über die Bodenplatte abgetragen wird. Dies ist nur zu empfehlen, wenn gewährleistet werden kann, dass die Bodenplatte stets Lasten abtragen kann.

Den Torf entfernen: Der Bodenaustausch

Wenn die Torfschicht relativ oberflächennah ansteht, dann kann auch ein Bodenaustausch zielführend und wirtschaftlich sein. Dabei wird der Torf mit einem Bagger vollständig aus dem Lastabtragsbereich des Hauses entfernt. Das Fehlvolumen bis zur Unterseite des Bauwerks wird dann durch geeigneten Boden wieder aufgefüllt. Der Ersatzboden muss gut verdichtbar sein und darf im Laufe der Zeit nicht an Volumen einbüßen. Welcher Boden verwendet wird, hängt dabei von der regionalen Verfügbarkeit ab. Oft werden gebrochener Kalkstein oder Basalt (Körnung 0/45 oder 0/32) verwendet.

Setzungen zulassen

Eine weitere Option besteht darin, einfach nichts zu tun und Setzungen zuzulassen. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass die Setzungen berechnet werden können. Wenn die Torfschicht nicht all zu dick ist, kann sich hierbei ergeben, dass die rechnerischen Setzungen vergleichsweise gering sind und hingenommen werden können.

Ein solches Vorgehen sollte jedoch wohl überlegt sein. Die rechnerische Abschätzung von Setzungen kann nur so genau wie die Eingangsparameter sein und diese werden bei kleinen Projekten wie Einfamilienhäusern nur geschätzt. Außerdem werden dabei nur die lastabhängigen Setzungen berücksichtigt. Senkungen durch Zersetzung des Torfes oder durch Wasserentzug, wie oben beschrieben, werden dadurch nicht erfasst. Das Gesamtsetzungsverhalten von Torf ist entsprechend schwer zu fassen und das Ausmaß wird schnell unterschätzt.

Fazit zu Torf als Baugrund

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass Torf als Baugrund denkbar ungeeignet ist. Er kann zu massiven Schäden führen, die bis zum Abriss des Gebäudes führen können. Die Schäden müssen sich hierbei auch nicht sofort verwirklichen, sondern können auch nach Jahrzehnten noch auftreten.

Wird der Torf durch eine Baugrunderkundung im Vorfeld erkannt und werden im Bodengutachten geeignete Verfahren vorgeschlagen, ist er jedoch technisch in den Griff zu bekommen. Das bedeutet gegenüber „normalem“ Baugrund zwar immer Mehrkosten, die auch erheblich ausfallen können. Dies ist aber immer günstiger, als im Nachhinein auf Schäden reagieren zu müssen.

Wenn die Möglichkeit besteht, sollte jedoch auf den Bau über Torf verzichtet und nach einem anderen Grundstück Ausschau gehalten werden. Hierbei hilft es auch, wenn bereits vor dem Grundstückskauf ein Bodengutachten vorliegt.