BVMB: Finanzlage der Kommunen als Bedrohung für die Bauwirtschaft

11.06.2026

Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) äußert erhebliche Bedenken hinsichtlich der aktuellen finanziellen Situation der deutschen Kommunen. Laut den ersten Ergebnissen des KfW-Kommunalpanels 2026 bewerten nahezu 50 Prozent der Städte und Gemeinden ihre finanzielle Lage als unzureichend. Dieser finanzielle Engpass gefährdet nicht nur die öffentliche Infrastruktur, sondern könnte auch zu einem signifikanten Rückgang der Bauaufträge führen. „Wir machen uns ernsthaft Sorgen um die finanzielle Lage der Kommunen“, so Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der BVMB.

Wachsende Aufgaben und rückläufige Einnahmen

Die finanzielle Schieflage der Kommunen verschärft sich durch den Anstieg an Aufgaben und Personalkosten bei gleichzeitig rückläufigen Einnahmen. Der Bund trägt dazu bei, indem er zusätzliche Verantwortungen auf die Kommunen überträgt, ohne finanzielle Ausgleichsmaßnahmen sicherzustellen. Der Umstand, dass viele Kommunen ihre Finanzlage als mangelhaft bewerten, spiegelt sich auch in der kritischen Haltung des Bundesrats wider. Eine geplante Entlastung von einer Milliarde Euro über vier Jahre wird als unzureichend empfunden, angesichts eines kommunalen Defizits von 32 Milliarden Euro allein im vergangenen Jahr.

Effekte des Sondervermögens Infrastruktur

Das Sondervermögen Infrastruktur zeigt zwar erste Wirkungen, die jedoch begrenzt bleiben. Etwa 50 Prozent der Kommunen planen, im laufenden Jahr Mittel aus diesem Vermögen zu nutzen. Dabei stehen Schulen mit knapp einem Viertel an erster Stelle, gefolgt von Straßen mit 22 Prozent und dem Katastrophenschutz mit 18 Prozent. Für 2027 planen 38 Prozent der Kommunen mit einer erhöhten Bautätigkeit dank der Gelder aus dem Sondervermögen. Michael Gilka von der BVMB betont jedoch, dass die Umsetzung von Bauprojekten durch lange Planungs- und Genehmigungsphasen weiter verzögert wird.

Kritik an der Schuldenpolitik

Die BVMB sieht im Sondervermögen keine dauerhafte Lösung, sondern eher eine kurzfristige Überschuldung. Michael Gilka erklärt, dass die Mittel nur kurzfristige Effekte haben, während die strukturellen Probleme ungelöst bleiben. Die Defizite der Kommunen sind auf rund 32 Milliarden Euro angewachsen, ein Anstieg um mehr als sieben Milliarden Euro innerhalb eines Jahres. Viele Kommunen könnten bald gezwungen sein, ihre Infrastruktur nicht mehr aufrechtzuerhalten, was ein Alarmsignal für die mittelständische Bauwirtschaft darstellt.

Forderungen nach langfristigen Lösungen

Die BVMB fordert ein grundlegendes Umdenken von Bund und Ländern, um die Kommunen dauerhaft finanziell zu stärken und zu entschulden. Ohne solche Maßnahmen könnte der weitere Rückgang kommunaler Aufträge die wirtschaftliche Grundlage vieler Bauunternehmen gefährden. Michael Gilka warnt, dass schnelle Lösungen durch Kredite nicht ausreichen und eine nachhaltig tragfähige finanzielle Unterstützung der Kommunen erforderlich ist.

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