Ein neues Forschungsprojekt mit dem Namen ForBat@Bau hat seine Arbeit aufgenommen, um die bedeutenden Herausforderungen der Bauindustrie im Hinblick auf lokale Emissionen und Energieeffizienz anzusprechen. Die Technische Universität München (TUM) leitet das Projekt, das sich der Entwicklung integrierter Planungs- und Betriebstools für komplexe, emissionsfreie Baustellen widmet. Ziel der Forschungsinitiative ist es, alle Beteiligten zu vernetzen und gemeinsam an umfassenden Lösungskonzepten zu arbeiten.
Vier Teilbereiche für eine vernetzte Baustelle
Das Programm unter der Leitung der TUM unterteilt sich in vier Schwerpunkte: Erstens, die Entwicklung spezifisch abgestimmter Maschinenantriebskonzepte; zweitens, die Entwicklung und strategische Einsatzplanung intelligenter, modularer und multifunktionaler Batteriesysteme; drittens, die softwaregestützte Planung und Steuerung von Bauprozessen und Energieflüssen; viertens, die optimale Nutzung der Kapazitäten des Baustellennetzanschlusses. Diese innovativen Ansätze sollen die Grundlage für eine emissionsfreie Baustelle schaffen.
Klimatische Auswirkungen der Bauindustrie
Die Bauindustrie weist weltweit einen großen ökologischen Fußabdruck auf und trägt erheblich zur Klimaerwärmung bei. Aktuell ist sie für 23 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Davon werden 5,5 Prozent direkt durch den Betrieb auf Baustellen verursacht, wobei der Hauptanteil aus Maschinen mit Verbrennungsmotoren resultiert.
Prof. Markus Lienkamp, Gesamtleiter des Projekts und Vertreter des TUM-Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik, erklärte: „Wir wollen nicht einfach nur die Dieselmotoren in den Baumaschinen ersetzen. Wir betrachten die Baustelle als Ganzes, inklusive der Bauprozessabläufe, des Anschlusses an das Stromnetz und der Zwischenspeicherung in Batterien, um mit Hilfe der Digitalisierung künftig einen wirtschaftlichen elektrischen Baustellenbetrieb möglich zu machen.“
Interesse der bayerischen Bauindustrie
Prof. Johannes Fottner vom TUM-Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik betonte das Interesse der bayerischen Bau- und Baumaschinenindustrie an der technologischen Transformation. Er sieht darin große wirtschaftliche Potenziale, da der globale Trend zu mehr Nachhaltigkeit unausweichlich ist.
Förderung und Kooperationen
Das dreijährige Projekt wird von der Bayerischen Transformations- und Forschungsstiftung mit 1,9 Millionen Euro gefördert. Wissenschaftliche Unterstützung kommt von der Hochschule der angewandten Wissenschaften Landshut und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Auch Industriepartner wie der Bayerische Bauindustrieverband, die Bayerische BauAkademie sowie verschiedene Unternehmen aus den Bereichen Maschinenhersteller, Baufirmen, Verteilnetzbetreiber und Messung und Simulation sind beteiligt.
Das Projekt ForBat@Bau verspricht, durch die Kombination von Forschung und industrieller Praxis einen bedeutenden Fortschritt in Richtung emissionsfreier und energieeffizienter Baustellen zu bringen.



