Der Geologische Dienst NRW (GD NRW) hat eine Forschungsbohrung am Thurner Kamp in Köln-Dellbrück gestartet. Das Projekt untersucht Kalksteinschichten in einer Tiefe von bis zu 1.000 Metern, um deren Potenzial als geothermisches Reservoir zu bewerten. Ziel ist es, die geologischen Eigenschaften der rund 380 Millionen Jahre alten Schichten zu analysieren und herauszufinden, ob sie als Wärmequelle für lokale Einrichtungen genutzt werden können.
Geothermie als Bestandteil der Wärmewende
Mona Neubaur, Wirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, betont die Bedeutung der Erdwärme für die Energieunabhängigkeit: „Erdwärme ist sauber, jederzeit verfügbar – und macht uns unabhängiger von fossilen Importen aus Krisenregionen.“ Die Forschungsbohrung wird von ihrem Ministerium im Rahmen des Masterplans Geothermie NRW unterstützt. Das Projekt zielt darauf ab, die Wärmewende in Nordrhein-Westfalen durch lokale und klimafreundliche Wärmequellen voranzutreiben.
Analysen des Massenkalkes
Projektleiter Ingo Schäfer erklärt, dass der Fokus der Bohrung auf dem Massenkalk liegt. Diese besondere Kalksteinformation könnte in der Tiefe Hohlräume und Spalten aufweisen, die die Bewegung von warmem Wasser ermöglichen. Die Fachleute des GD NRW entnehmen Bohrkerne, um die komplette Schichtenabfolge zu analysieren. Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird ein Pumptest durchgeführt, um die Wasserführigkeit des Kalksteins zu überprüfen.
Bedeutung für die Region
Die gewonnenen Daten sind für die gesamte Region relevant. „Wir stellen die Daten der Stadt Köln genauso zur Verfügung wie der gesamten Öffentlichkeit“, sagt Schäfer. So können Kommunen und Stadtwerke das Wärmepotenzial unter ihren Füßen besser nutzen. William Wolfgramm, Kölner Dezernent für Klima, Umwelt, Grünflächen und Liegenschaften, zeigt sich interessiert an den Möglichkeiten der Geothermie: „Geothermie vereint die besten Eigenschaften der erneuerbaren Energien.“
Sicherheits- und Umweltschutzmaßnahmen
Seit März wurden umfangreiche Vorbereitungen am Bohrplatz getroffen. Eine Abdichtung des Bohrplatzes und der Bau eines undurchlässigen Bohrkellers sollen sicherstellen, dass keine Flüssigkeiten in den Untergrund dringen. Um die Lärmbelästigung zu minimieren, wurde eine Containerwand errichtet. Dr. Stephan Becker, verantwortlicher Geologe beim GD NRW, weist darauf hin, dass die Bohrarbeiten sowie anschließende Tests drei bis vier Monate dauern werden. Danach wird das Bohrloch fachgerecht verfüllt, und die Fläche wird in ihren Ursprungszustand zurückversetzt.
Masterplan Geothermie NRW
Die Forschungsbohrung ist Teil des vom MWIKE beauftragten Explorations- und Bohrprogramms „Geowärme – Wir erkunden NRW.“ Ziel des Masterplans Geothermie NRW ist es, bis 2045 rund 20 Prozent des Wärmebedarfs in NRW mithilfe von Erdwärme zu decken. Die erhobenen Daten werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dienen als Grundlage für Entscheidungsprozesse in Kommunen und Unternehmen.



