Am 26. Juni 2026 luden erstmals die Bauwirtschaft Baden-Württemberg und der Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg (ISTE) zu einer gemeinsamen Veranstaltung im Bodenseeforum Konstanz ein. Im Fokus stand der Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Verbänden über die Zukunft des Bauens, die Sicherung heimischer Rohstoffe und die notwendigen Reformen staatlichen Handelns.
Ministerin Schopper betont Bedeutung der Baupolitik
Die Antrittsrede der baden-württembergischen Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, Theresa Schopper, bildete einen der Höhepunkte. In ihrer Rede erklärte sie, dass der Wohnungsbau in Baden-Württemberg unter Druck stehe. Hohe Baukosten, steigende Zinsen und langwierige Verfahren bremsen Investitionen. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum bleibt jedoch hoch. Schopper betonte: „Bezahlbarer Wohnraum ist eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit.“ Sie kündigte an, die Wohnraumförderung zu stärken, den Ersterwerb von Wohneigentum zu erleichtern und Bauverfahren weiter zu digitalisieren.
Präsidenten von Bauwirtschaft und ISTE fordern verlässliche Rahmenbedingungen
Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, hob in seiner Ansprache hervor, wie essenziell die Verbindung von Bau und Rohstoffgewinnung für die Wertschöpfungskette ist. Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen und schnellere Verfahren, um mehr Wohnraum und moderne Infrastruktur zu schaffen. Oliver Mohr, Präsident des ISTE, ergänzte: „Heimische Rohstoffe sind die Grundlage für regionales und nachhaltiges Bauen.“
Plädoyer für eine Staatsrechtsreform
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war der Impulsvortrag von Dr. Thomas de Maizière, ehemaliger Bundesminister. Er sprach über die Notwendigkeit einer umfassenden Staatsrechtsreform. Angesichts wachsender Komplexität im staatlichen Handeln plädierte er dafür, Zuständigkeiten, Verfahren und Entscheidungsstrukturen zu modernisieren, um einen handlungsfähigen Staat zu gewährleisten.
Kooperation als Schlüssel zur Problemlösung
Die Veranstaltung verdeutlichte, dass die Herausforderungen in den Bereichen Bauen, Infrastrukturentwicklung und Rohstoffversorgung nur durch gemeinsame Anstrengungen gelöst werden können. Sowohl die Bauwirtschaft als auch die Rohstoffindustrie verstehen sich dabei als starke Partner für Wertschöpfung, Beschäftigung und Zukunftsinvestitionen in Baden-Württemberg. Die Präsidenten der beiden Verbände fassten zusammen: „Die Transformation unseres Landes wird nicht durch Verzicht gelingen, sondern durch Innovation, Pragmatismus und Zusammenarbeit.“
Beteiligte Verbände und ihre Rolle
Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg vertritt die Interessen von rund 1.500 mittelständischen Bauunternehmen und beschäftigt mehr als 120.000 Menschen. Der jährliche Umsatz der Branche beläuft sich auf rund 27 Milliarden Euro. Der ISTE repräsentiert 500 Unternehmen der Rohstoff-, Baustoff- und Recyclingwirtschaft, die die Versorgung mit heimischen mineralischen Rohstoffen sichern und einen wesentlichen Beitrag zum Wohnungsbau und zur Infrastruktur leisten.



