Tragfähiger Boden

29.06.2021

Die Lasten aus dem Bauwerk müssen zwangsläufig über den Baugrund abgetragen werden, daran führt kein Weg vorbei. Idealerweise steht hierfür möglichst oberflächennah tragfähiger Boden an, um die Gründungskosten gering zu halten.

Ein tragfähiger Boden muss gewährleisten, dass der Boden nicht unter dem Fundament wegbricht und dass das Bauwerk keine unverträglichen Setzungen erfährt. Ersteres fällt unter den Begriff Standsicherheit, letzteres unter Gebrauchstauglichkeit.

Ob ein Boden tragfähig ist, hängt nie nur allein vom Boden ab, denn für ein Einfamilienhaus gelten andere Anforderungen an den Boden als für ein Brückenwiderlager. Im Wesentlichen können Böden in bindige, nichtbindige und organische Böden unterteilt werden. Meistens sind nichtbindige Böden tragfähiger als bindige Böden. Organische Böden sind für Gründungen nicht geeignet. Ebenfalls häufig ungeeignet sind aufgefüllte oder angeschüttete Böden.

Die Tragfähigkeit lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. So kann die Standsicherheit bei beispielsweise Flachgründungen über Grundbruchberechnungen nachgewiesen werden, an deren Ende der Bemessungswert des Sohlwiderstands in kN/m² steht. Dieser ist bereits um die Teilsicherheitsbeiwerte gemäß den Anfordernungen des Eurocode abgemindert.

Die Einwirkungen aus einem Bauwerk, die über das Fundament an den Baugrund weitergeben werden und bei denen ebenfalls die erforderlichen Teilsicherheitsbeiwerte berücksichtigt sind, müssen dann kleiner sein als der Bemessungswert des Sohlwiderstands sein. Dann ist eine ausreichende Tragfähigkeit nachgewiesen.

Für Regelfälle kann die ausreichende Tragfähigkeit in Abhängigkeit der Bodeneigenschaften und der Gründung nach dem vereinfachten Nachweis gemäß Norm DIN 1054 nachgewiesen werden.

Es ist zu beachten, dass nicht mehr die aufnehmbare Sohldrücke (DIN 1054:2005-01) oder die zulässigen Bodenpressungen (DIN 1054:1976-11) angegeben werden. Hier ist in der Praxis häufig noch ein durcheinander der Begrifflichkeiten zu beobachten. Es sind hier jedoch verschiedene Werte gemeint, weshalb die Unterscheidung bei der Beurteilung der Trafähigkeit von Böden essentiell ist.

Auch interessant:

Test der Ammann ARR 1585-2 Grabenwalze

Test der Ammann ARR 1585-2 Grabenwalze

Die ARR 1585-2 Grabenwalze wurde kürzlich unter realen Baustellenbedingungen getestet und zeigte dabei starke Leistung, Zuverlässigkeit und Effizienz. Ausgestattet mit einem Kubota D1105 Motor (St V) mit 15,6 kW und einem Betriebsgewicht von 1.420 kg, bewältigt die...

Mobiler Liebherr-Energiespeicher bei STRABAG-Baustelle im Einsatz

Mobiler Liebherr-Energiespeicher bei STRABAG-Baustelle im Einsatz

Die STRABAG AG setzt im Rahmen eines Infrastrukturprojekts nahe Zürich auf den mobilen, batteriebasierten Energiespeicher LPO 100 von Liebherr, um die Herausforderungen eines stark eingeschränkten Netzanschlusses zu bewältigen. Bei der Rekonstruktion von über 100...

Neueste Lexikoneinträge:

Probenahme nach LAGA PN 98

Die LAGA PN 98 (LAGA-Mitteilung 32, Stand Mai 2019) ist eine seit 2001 geltende fachliche Richtlinie für die einheitliche Probenahme fester Abfälle und abgelagerter Materialien bei stofflicher Verwertung oder Beseitigung. Sie standardisiert das Vorgehen bei der...

Technisches Bauwerk im Sinne der Ersatzbaustoffverordnung

Die Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) ist seit dem 1. August 2023 in Kraft und regelt den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe (MEB) in „technische Bauwerke“. Ob ein Vorhaben als technisches Bauwerk einzuordnen ist, entscheidet regelmäßig darüber, welche...

Bodenverbesserung mit Kalk im Erdbau

Kalkbehandlung ist im Erdbau eine gezielte chemisch-mineralogische Veränderung des anstehenden Bodens, um Einbaufähigkeit, Verdichtbarkeit und Tragverhalten zu verbessern oder dauerhaft zu stabilisieren. Praktisch entscheidend ist dabei, dass sich insbesondere...

Geotechnische Kategorien nach EC 7, DIN 1054, DIN 4022

Geotechnische Kategorien dienen der Festlegung von Mindestanforderungen an Umfang und Qualität von Baugrundaufschlüssen, Feldversuchen und geotechnischen Laboruntersuchungen in Abhängigkeit von Bauaufgabe und Baugrund. Es wird zwischen drei Kategorien unterschieden,...

Geotechnische Kategorie GK 3

Nach DIN EN 1997-1 (Eurocode EC 7) bzw. DIN 4020 und DIN 1054 wird zwischen drei verschiedenen Geotechnischen Kategorien unterschieden. In diesem Artikel wird die Geotechnische Kategorie GK 3 umfassend erläutert. Eine Übersicht und grundsätzliche Informationen finden...