Neue Abwassertechnik in Oedheim: Klimaneutrale Rohre und Schächte

20.04.2025

Rückblick: Zum Start der Pilotbaustelle erhielt Bürgermeister Matthias Schmitt eine Urkunde und ein Teil-Rohr von REHAU, das die Gemeinde als Vorreiter im nachhaltigen Tiefbau ausweist. ©REHAU
Rückblick: Zum Start der Pilotbaustelle erhielt Bürgermeister Matthias Schmitt eine Urkunde und ein Teil-Rohr von REHAU, das die Gemeinde als Vorreiter im nachhaltigen Tiefbau ausweist. ©REHAU

Die Gemeinde Oedheim in Baden-Württemberg nutzt ein innovatives Abwassersystem, um den CO2-Fußabdruck von Tiefbaumaßnahmen zu reduzieren. Für die Erschließung des Neubaugebietes „Linkenbrunnen III“ kommt das klimaneutrale Abwassersystem nevoPP von REHAU erstmals zum Einsatz. Dieses System zeichnet sich durch den Einsatz von 100 % klimaneutralen Rohren und Schächten aus, was Oedheim zu einer von drei Kommunen in Deutschland macht, die das System vor der offiziellen Markteinführung nutzen.

Nachhaltige Materialnutzung und Energieeinsatz

NevoPP besteht zu bis zu 80 % aus Polypropylen, das aus Industrierezyklaten stammt. Dies führt im Vergleich zur AWA PP-Serie zu einer Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu 40 %. Die Emissionen basieren auf Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) des Instituts Bauen und Umwelt e.V. Die Rohre und Schächte besitzen eine erwartete Lebensdauer von über 100 Jahren. Auch nach der Nutzungsphase sind die Produkte zu 100 % recyclingfähig. REHAU verwendet für die Herstellung ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien und kompensiert unvermeidbare Emissionen durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten, wie die Renaturierung von Mooren in Mecklenburg-Vorpommern. Die TÜV Rheinland-zertifizierte Klimaneutralität umfasst alle Rohre und Schächte, jedoch nicht die Formteile.

Expertenerfahrungen mit nevoPP

Edgar Kraft von Walter Ingenieure aus Adelsheim sowie der Tiefbauer Eberhard Köhler von der Schneider GmbH in Öhringen bestätigen die hohe Verarbeitungsqualität und die Nachhaltigkeitsvorteile von nevoPP gegenüber herkömmlichen Materialien. Auch der Strömungswiderstand und die Erkennbarkeit von Beschädigungen bleiben unverändert. Der CO2-Fußabdruck dieser Projekte gewinnt zunehmend an Bedeutung bei Kunden.

Herausforderungen im Baugebiet „Linkenbrunnen III“

Besondere Herausforderungen in Oedheim stellen Starkregenereignisse dar. Vorherige Ereignisse führten zu erheblichen Schäden. Daher wurde um das Baugebiet eine Schutzwand errichtet, die das Niederschlagswasser zumeist in eine Flutmulde leitet. Diese Mulde ist 1.300 m lang und 15 m breit und leitet das Wasser zum Fluss Kocher. Innerhalb des Baugebietes wird das Regenwasser über Rohre in üblichen Dimensionen abgeführt.

Zukünftige Perspektiven und Verfügbarkeit

Seit dem 1. August 2024 ist das nevoPP Abwassersystem offiziell auf dem Markt erhältlich. Interessierte können den potenziellen CO2-Fußabdruck ihrer Projekte mithilfe eines Rechners auf der Website tiefbau.rehau.de/nevoPP-rechner kalkulieren. Diese Funktion erlaubte eine erste Einschätzung des erwarteten Fußabdrucks. Kunden erhalten außerdem auf Wunsch von REHAU eine genaue Aufstellung der Emissionen sämtlicher Rohre, Schächte und Formteile.

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