Der Rohrleitungsbauverband (rbv) äußert Bedenken über den aktuellen Stand des Netzausbaus in Deutschland, insbesondere im Kontext der Energiewende. Auf der IFAT 2026 in München warnte der Verband vor den wachsenden Risiken, die durch mangelnde politische Entscheidungen die Umsetzung der Energiewende gefährden könnten. Dr. Ralph Donath, Präsident des rbv, betont, dass obwohl die Anforderungen seit Langem bekannt seien, klare politische Festlegungen fehlen. Diese Unsicherheit erschwere es der Branche, verlässlich Kapazitäten für den Ausbau vorzuhalten.
Anhaltende Unsicherheiten in der Branche
Der rbv sieht die allgegenwärtige Unsicherheit als Hauptbremse für die Branche. Martina Buschmann, Hauptgeschäftsführerin des rbv, hebt hervor, dass Investitionsentscheidungen ohne klare Rahmenbedingungen kaum möglich seien, selbst wenn die Bereitschaft dazu vorhanden ist. Diese strukturellen Probleme führen dazu, dass während politische Ziele formuliert werden, konkrete Umsetzungsschritte oft unklar oder umstritten bleiben. Buschmann fordert langfristig tragfähige Entscheidungen, um Verzögerungen und Kostensteigerungen zu vermeiden.
Erdverkabelung als Schlüssel zum Netzausbau
Ein umstrittenes Thema ist die Erdverkabelung von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ). Der Koalitionsvertrag favorisiert zukünftig Freileitungen, doch der rbv und zahlreiche Verbände sprechen sich für die Erdverkabelung aus, da sie laut rbv zur Akzeptanz in der Gesellschaft beiträgt, Genehmigungs- und Bauprozesse beschleunigt und systemische Kosten reduziert. Zudem böten unterirdische Leitungen mehr Schutz gegen Sabotage und Wetterextreme. Eine Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes durch das Bundeskabinett liegt bereits vor.
Gesetzesentwürfe und deren Auswirkungen
Im laufenden Gesetzgebungsverfahren des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), welches das alte Gebäudeenergiegesetz (GEG) ersetzen soll, sieht der rbv positive Ansätze. Insbesondere die Berücksichtigung von Wasserstoff und Biomethan als CO₂-neutrale Brennstoffe wird als Schritt zu mehr Technologieoffenheit bewertet. Ein finaler Gesetzesentwurf steht jedoch noch aus, und das Ziel, das Gesetz bis Juli 2026 zu verabschieden, ist aufgrund der Verzögerungen kaum erreichbar. Dies führt zu weiterhin unsicheren Investitionsentscheidungen im Bereich der Wärmeinfrastruktur.
Konsequente Beschleunigung des Netzausbaus gefordert
Der rbv betont, dass ohne eine Beschleunigung des Netzausbaus die energie- und klimapolitischen Ziele Deutschlands nicht erreichbar seien. Dr. Ralph Donath unterstreicht: „Die Energiewende entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern in der Umsetzung.“ Solange zentrale Fragen offenbleiben, werde der Ausbau den Bedarf nicht decken können. Der Verband fordert dringende Maßnahmen, um diese Entwicklung zu stoppen und dem Netzausbau Priorität zu geben.



